Fischerhude

Fischerhude, ein idyllisch gelegenes Bauern- und Künstlerdorf am Südrande des Teufelsmoores gelegen, war mein Tagesausflugsziel. Der Ort liegt an der Wümme im Landkreis Verden in Niedersachsen und ist ein Ortsteil des Fleckens Ottersberg.

Der erste Eindruck war schon beeindruckend. Dieser Ort liegt verträumt eingebettet zwischen alten Eichen und Erlen in der Wümmeniederung mit seinen vielen Nebenarmen nahe Bremen. Ein Wanderweg führte am Fluss entlang und über hölzerne Brücken. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick auf versteckt liegende Gehöfte, Bootsstege und Entenhäuschen am Wümmeufer. Der Hauch aus längst vergangener Zeit lag in der Luft als die Gästeführerin Rosemarie Rohde aus der Zeit erzählte, als die Wege im Ort noch Wasserstraßen und nur mit Booten zu erreichen waren. Die gefangenen Aale aus der Wümme und das Heu von den Wiesen wurde so zu den Höfen gebracht und zum Teil verkauft, wodurch die Bauern zu Wohlstand gelangten, der sich noch heute an den Höfen und Fachwerkhäusern erkennen lässt. Urkundliche Erwähnung fand der Ort bereits im Jahre 1124.

Die besonderen Lichtverhältnisse lockte viele Künstler an diesen Ort, nachdem der Fischerhuder Maler Heinrich Breling aus Worpswede zurück in sein Heimatdorf zog. Es folgten ihm der Maler Otto Modersohn, die Schriftstellerin Clara Rilke-Westhoff, sowie Musiker und Bildhauer an diesen malerischen Flecken. Das Otto Modersohn Museum in der Bredenau gibt Aufschluss über Leben und Wirken im Künstlerdorf.

Die Ortsmitte bzw. der Dorfplatz, umringt von Höfen, dem Heimatmuseum, der Kirche und Fachwerkhäusern, ist so ganz anders als in anderen Dörfern, denn hier grasen Pferde auf der Wiese, auf der auch hin und wieder Veranstaltungen stattfinden.

Wo heute die Liebfrauenkirche steht, wurde 1195 ein sakraler Bau eingeweiht und von Karmeliter Mönchen betreut. In dieser kleinen Kapelle wurden die Verstorbenen seinerzeit aufgebahrt, bevor sie im Wilstedter Kirchhof beigesetzt wurden. Fischerhude war der Wilstedter Kirche angeschlossen. Im Jahre 1825 legten die Fischerhuder einen eigenen Friedhof an. Am Ort der alten Kapelle wurde 1841 eine Pfarrkirche errichtet. Einen eigenen Pastor erhielten sie erst im Jahre 1852. Die Fischerhuder wussten sich zu helfen und setzten zwischenzeitlich Lehrer für den Gottesdienst ein.

In die Kirchhofmauer integrierte die Fischerhuder Gemeinde die aus Wilstedt zurückgeholten Grabsteine. Eine originelle Idee.

Zum krönenden Abschluss unseres Ausfluges besuchten wir das Café im Rilke Haus. Dieses hübsche Häuschen war Atelier und Wohnhaus von Clara Rilke-Westhoff, die Ehefrau des Poeten Rainer Maria Rilke.

Ein verwunschen gestalteter Garten, angrenzend an einen ruhigen Wümmearm, lud zum entspannten Verweilen ein bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen. Ein rundum lehrreicher und gelungener Tag ließ uns zufrieden die Heimfahrt antreten.

Text und Fotos: Roswitha Banning