Rundreise Mexico

Mexiko! Die meisten Menschen denken sofort an Sombreros, Tequila und Kakteen. Doch Mexiko ist so viel mehr. Obwohl Teil der Neuen Welt, hat Mexiko eine alte Geschichte, noch vor der Eroberung. Davon zeugen u.a. die Maya Stätten auf der Halbinsel Yucatán. Um diese zu sehen, begab ich mich auf eine Rundreise.
Sie begann in einem der schönsten Urlaubsorte Mexikos, in Cancún. Von dort ging zu einer der bekanntesten Ausgrabungsstätten der Maya: Chichén Itzá. Es handelt sich um Ruinen aus der späten Maya Zeit und wurde 1988 zum Kulturerbe erklärt. Chichén Itzá war ca. 2000 Jahre lang bewohnt. Am imposantesten sind die Kukulcán Pyramide und der große Ballspielplatz.

Darüber hinaus beeindrucken noch viele unterschiedliche Tempel, Plattformen und das Observatorium. Zahlreiche Gravuren, Hieroglyphen und Opfertische zeugen von blutigen Ritualen bis hin zu Menschenopfern. Über vieles wird immer noch spekuliert. Auf Grund seines Bekanntheitsgrades zieht die Ausgrabungsstätte viele Besucher mit störenden Begleiterscheinungen an: Verkaufsstände wohin das Auge reicht und Warenanpreisungen in den unterschiedlichsten Sprachen. So wurde mir auf Deutsch eine Holzschlange angepriesen: „Schlange für die Schwiegermutter“.
Bei den Mayas heißt der Schlangengott, für den der Eroberer Hernán Cortés gehalten wurde, „Kukulcán“, bei den Azteken „Quetzalcoatl“.
Weiter ging es nach Izmal, wo ein riesiges Kloster auf den abgerissenen Steinen einer Maya Pyramide erbaut wurde. Dort wird die Heilige Jungfrau von Guadalupe verehrt. Diese Art der willkürlichen Zerstörung wird für mich immer unverständlich bleiben.

Von dort ging es nach Mérida, wo die älteste Kirche des amerikanischen Kontinents steht (Festland). Fertiggestellt 1598.

Am nächsten Tag ging es weiter entlang des „Paseo montejo“, wo früher die Großgrundbesitzer ihre Haciendas und Villen stehen hatten. Diese sind größtenteils restauriert worden und dienen heute als Büros.

Campeche war unser nächstes Ziel, eine ehemalige Piratenstadt. Dort stehen noch Reste der alten Festungsmauer, die um den Stadtkern herum erbaut worden war.

Der nächste Tag stand wieder im Zeichen der Mayas. Zunächst ging es nach Edzná, wo es die Große Akropolis zu bestaunen gab, danach weiter nach Uxmal, einer großen und bedeutenden Stadt der Mayas. Der Gouverneurspalast und die Pyramide des Zauberers sind hier besonders interessant. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausgrabungsstätten ist Uxmal auf mehreren Ebenen erbaut und die Ruinen sind begehbar.

Am nächsten Tag besichtigten wir die Hacienda Yaxcopoil aus dem 17. Jahrhundert. Dort findet man noch Maschinen aus der Zeit der Faserproduktion (Sisal) und altes Mobiliar. Nach all den Ruinen ein Zeugnis von Leben. Es ist ein wunderschönes Gebäude mit Innenhof und blühenden Gärten. Perfekte Kulisse für eine Hollywood Romanze.
Zum Abschluss besuchten wird die Ausgrabungsstätte Tulúm. Diese liegt direkt an der Karibikküste. Durch das Klima sind die Ruinen weniger gut erhalten als die im Landesinneren, doch auch Tulúm legt ein faszinierendes Zeugnis dieser alten Hochkultur ab. Die Ruinen an sich sind schon imposant, doch muss man sich bewusst machen, dass diese früher bunt bemalt gewesen sind. Ein paar wenige Steinquader weisen noch Farbreste auf. Außerdem sind die Ruinen nur Teile der alten Stätte. Vieles liegt noch verborgen. Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen Völkern leben die Mayas noch heute. Im Bundestaat Chiapas leben sie sogar weitgehend autonom.

Auf der Reise gab es aber noch mehr zu sehen. So besuchten wir einen riesigen Gewürzmarkt, oder auch eine „Hemdenfabrik“. Diese befand sich in einem Hinterhof und bestand aus einem einzigen schmucklosen Raum, in dem drei Nähmaschinen standen. Wir durften einen ansässigen Bauern in seinem Zuhause besuchen. Für uns Europäer eine interessante Erfahrung, besteht die Behausung doch lediglich aus einer Hütte mit einer Kochstelle und ein paar Hängematten. Eine Tür war nicht vorhanden. Das Grundstück war für mexikanische Verhältnisse bemerkenswert sauber. Allerdings war das vermutlich unserem Besuch geschuldet, da der Blick auf die Nachbarn ein ganz anderes Bild vermittelte. Abfall, insbesondere Plastik, wohin das Auge reichte. „Der Mexikaner liebt seinen Müll“ ist eine weit verbreitete Floskel, die hier ihren Wahrheitsgehalt bestätigt fand. Ein großes Problem in Mexiko ist der Plastikmüll, unter deren Masse Land und Meer zu ersticken drohen. Die wunderschönen Karibikstrände bekommen die Auswirkungen zu spüren, wenn bei starkem Seegang der Strand mit Plastikmüll gesäumt ist. An so manch einem Stück haben sich sogar bereits Meeressorganismen angesiedelt, ein Zeichen dafür, dass sich dieser Müll schon längere Zeit im Ozean befand. Auch bei Überlandfahrten erblickt man immer wieder Müllberge und verschmutzte Natur. Dies und die Armut der man begegnet, erinnert einen daran, sich in einem Schwellenland zu befinden. Auch als Tourist sollte man nach seiner Rückkehr, die Annehmlichkeiten eines Daches, einer Toilette, fließendem, warmen Wasser, eines Stromschalters sowie eines gut gefüllten Kühlschranks zu schätzen wissen. Trotz allem ist Mexiko eine Reise wert, denn neben Geschichte und Kultur sind es auch die Menschen, die durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft einen Aufenthalt unvergesslich machen. Mexiko ist so viel mehr als nur Tequila, Erdbeben, Kriminalität und Drogen, wie es einem Hollywood so gerne präsentiert.

Text und Fotos: Dr. Verena Quennet

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