Lautes Spanien

Da wohnt man jetzt im erzkatholischen Spanien und ist bemüht, als Gast in diesem Land, nicht unangenehm aufzufallen und verkneift sich jegliche lautstarke Aktivität in den eigenen vier Wänden an Sonn- und Feiertagen, um ja seinen Nachbarn nicht auf den Keks zu gehen … und was machen die lieben Nachbarn? Die mähen Sonntags in der Mittagsruhe den Rasen!…

… oder flexen was ab, oder kloppen auf Steinen rum, oder fahren lautstark hupend vors Haus, um jemanden abzuholen. Aussteigen und klingeln ist wohl zu zeitraubend.

Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht! Ich hab nicht vor, mich hier zu beschweren. Es ist nur so, wenn man aus dem Land der 1000 Vorschriften kommt, kann man hier schon mal ein paar Integrationsschwierigkeiten bekommen. Ich bin natürlich bemüht mich anzupassen. Ich will ja irgendwann dazugehören. Das bedeutet, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und es den anderen gleich zu tun… Ich glaub ich fang gleich mal damit an und schmeiß am heiligen Sonntag ´ne Ladung Wäsche in die Maschine.

Text: Nadja von der Hocht

Knöllchen

Jetzt ist es passiert! Da hat man es einmal eilig und schon wird man erwischt! Volle Pulle in die Radarfalle rein gerauscht! Da man hier auf der Insel ganz hinterhältig von hinten geknipst wird, merkt man das nicht sofort. Erst wenn so ein wichtig aussehender Brief ins Haus flattert, kommt Freude auf. Und dann geht’s los: Das eigene Beamtenspanisch ist noch nicht so flüssig, dass man jedes Wort versteht, man reimt sich nur aus dem Kontext zusammen, dass man eine Ordnungswidrigkeit begangen hat und jetzt dafür bluten soll. Aber was soll man jetzt tun? Da steht nirgends eine Kontoverbindung. Nur unten findet man gaaanz klein gedruckt eine Summe: 900 Euro! Spinnen die??!! 900 Ocken fürs zu schnell fahren? In dem Bestreben, die Sache so schnell wie möglich zu bereinigen begeht man den Fehler und fragt den nächst besten deutschen Bekannten, der schon seit Jahren auf der Insel lebt und von sich ständig behauptet, er würde Spanisch sprechen um Hilfe und gibt ihm den Wisch zu lesen. Aber der sieht auch nur die 900 Euro und macht uns richtig Mut, indem er uns erklärt, dass die hier total spinnen, wenn es um Verkehrsdelikte geht. Und, ja! Das kostet dann schon mal so übertrieben viel und deshalb fährt er ja auch nie schneller als hundert, eben weil die hier so bekloppt sind…

Lange Rede, kurzer Sinn: Man ist noch verwirrter als vorher und weiß immer noch nicht, wie man mit dem Wisch jetzt weiter verfahren soll. Wieder so ein Beispiel: verlaß dich auf andere und du bist verlassen! Da hilft nur eins: Das eigene Hirn wieder einschalten und die Sache selbst in die Hand nehmen. Jetzt noch mal in Ruhe von vorne jeden Satz einzelnd zu Gemüte führen. Und zur Not gibt es ja den Google-Übersetzer und das gute, alte Wörterbuch. Und schon lichtet sich so langsam das Dickicht: Die Polizei hat unseren Wagen mit überholter Geschwindigkeit erwischt. Mit diesem Brief teilt sie uns das nun mit aber sie nimmt nicht automatisch an, dass der Halter auch der Fahrer war. Und wenn man weiterliest steht da doch tatsächlich: „Sie können den Strafzettel nicht bezahlen, bevor nicht der Fahrer identifiziert wurde.“ Um das zu tun, wird eine Webadresse angegeben, in der man den Übeltäter verpetzen muß. In unserem Fall waren wir das selber. Also, die angegebene Webseite aufrufen, die gewünschten Daten eintragen und schon ist der Fall fürs Erste jedenfalls erledigt. Gibt man den Namen des Fahrers nicht preis, dann sind die 900 Euro fällig. Und für ´s Verpetzen hat man sogar zwanzig Tage Zeit. Wenige Tage später kommt dann ein Brief per Einschreiben. Dieser beinhaltet dann die Höhe der Strafe, die mitnichten 900 Euro beträgt. Die Behörde kommt einem sogar noch entgegen: wenn man seine Strafe sofort, bzw. innerhalb der nächsten zwanzig Tage bezahlt, geben sie einem sogar 50% Rabatt! Das heiß, die Strafe reduziert sich auf die Hälfte. Am Rand des Schreibens stehen sogar diverse Möglichkeiten, wie und wo man sein Geld los wird. Wir sind schnurstracks zur nächstgelegenen Filiale der genannten Bank gegangen, haben mutig unseren Strafzettel vorgezeigt und der nette Mensch am Schalter hat das Geld entgegengenommen, unseren Wisch kopiert, uns eine Quittung unterschreiben lassen, diese ebenfalls für uns kopiert, alles zusammengeheftet, mannigfaltig abgestempelt und uns mit der Mahnung entlassen, die Papiere mindestens ein Jahr lang aufzuheben.
Jetzt ruhen sie im Handschuhfach des „Fluchtfahrzeugs“ für den Fall, dass man bei der nächsten Kontrolle beweisen muss, dass man sein Knöllchen tatsächlich schon bezahlt hat. … alles halb so wild.

Text: Nadja von der Hocht

Radfahrer auf Mallorca

Jedes Jahr liest man Schreckensmeldungen in den Zeitungen über im Straßenverkehr tödlich verunglückte Radfahrer auf Mallorca.
Das ist natürlich furchtbar, aber so langsam wundert es mich nicht mehr, dass so viele Radler unters Auto kommen.
Immer wenn der Frühling naht, sieht man sie wieder häufiger auf den Straßen: Radler die optisch recht professionell aussehen, aber Null Disziplin aufbringen, was das Verhalten auf den Straßen angeht. Da wird manchmal zu dritt nebeneinander die Straße blockiert, um besser miteinander quatschen zu können, anstatt ernsthaft zu trainieren. In Deutschland darf man das nicht, warum nimmt man sich das hier heraus? Es ist nun wirklich genug Platz auf dem Randstreifen. Dort kann man bequem und sicher brav hintereinander entlang radeln und niemand wird behindert. Das kann doch nicht so schwer sein!

Als Autofahrer darf man sich nicht in einen Pulk hineindrängeln. So eine Ansammlung von Radlern ist als ein einziges großes Fahrzeug zu behandeln, also nur im Ganzen zu überholen … oder gar nicht, denn die Typen bleiben so selten zusammen. Oft genug strampeln noch so ein paar Nachzügler keuchend hinterdrein und dem Autofahrer bleibt nichts anderes übrig, als zu beten, dass die Jungs und Mädels bitte, bitte bald abbiegen mögen.

Mallorca ist eine wunderschöne Insel. Ich habe Verständnis dafür, wenn man sie gerne mit dem Rad erobern möchte. Aber BITTE, BITTE, liebe Radsportfans, bleibt doch bitte einzelnd hintereinander. Ich schiebe riesige Panik, dass einer von euch mal auf meinem Kühler landet, oder sich meine Radaufhängung genauer betrachten möchte.

Laßt uns üben, voreinander Respekt zu haben und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Dann muß auch niemand sterben, oder mit der Schuld leben, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben.

Es lohnt sich doch zu leben! Besonders hier auf Mallorca. Also lasst uns zusehen, dass wir an Leib und Seele gesund bleiben – also fahrt gefälligst rechts und macht euch nicht so breit!

Text: Nadja von der Hocht

Einkaufen

So, da ist man jetzt also ausgewandert und erfreut sich an der neuen Umgebung, an den neuen Leuten, die man so kennen lernt, geht viel auf Entdeckungstour, erledigt Beamtengänge und sucht sich eine eigene kleine Wohnung. Man ist viel beschäftigt.
Aber irgendwann muß man seinem Liebsten ja mal wieder was Ordentliches zu Futtern auf den Tisch stellen. Also geht es weiter mit der Entdeckungstour: Wo gibt es hier was für Lebensmittel zu kaufen. Ich bewege mich hauptsächlich so in der Gegend um Capdepera, Cala Ratjada und Artá und habe auch schon die Wochenmärkte entdeckt. Aber zuerst will ich mir einen Vorrat an Grundnahrungsmitteln anlegen. Nudeln, Reis, Mehl, Wasser und so weiter. Also wohin? Natürlich springt einem sofort der große Lidl ins Auge. Aber da will ich nicht hin. Ist mir zu Deutsch. Ich bin doch jetzt in Spanien! Also ernenne ich den Eroski zu meinem neuen Lieblingssupermarkt. Zugegeben, als ich das Schild „Eroski“ zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nicht im Traum an einen Supermarkt, in dem man Lebensmittel und dergleichen kaufen kann. Ich habe es doch tatsächlich für ´nen russischen Erotikladen gehalten … Das lag doch irgendwie nahe, oder? „Eros“ wie „Erotik“ und das „ki“ am Ende, ganz klar Russisch! – wie man sich täuschen kann.

An manchen Tagen schallt einem aus den Lautsprechern dort laute Musik entgegen und auch die Durchsagen der Verkäuferinnen erscheinen meinen deutschen Ohren ein paar Dezibel zu laut. Kein Wunder, wenn man aus der alten Heimat nur leises Geplänkel gewöhnt ist, dass einen einlullen und zu mehr Spontankäufen anregen soll. Ich stelle mich schnell auf die laute Partymusik ein und gehe gutgelaunt die Gänge auf und ab. Was gibt es denn hier alles… Aha! Andere Strategie, selbe Wirkung. Die Rhythmen stimmen fröhlich und vielleicht greift man da gerne mal öfter ins Regal. Aber nicht mit mir! Ich laß mich nicht austricksen. Erstmal die Ware checken und auf die Preise achten.

Ich bin ganz begeistert von der Obst- und Gemüseabteilung. Hier darf man doch tatsächlich noch abwiegen! Das heißt, wenn ich nur eine Paprika brauche, dann nehme ich mir auch nur eine Paprika und bin nicht gezwungen, wie vielerorts in Deutschland üblich, die Dinger im Dreierpack zu kaufen. Ich freue mich sehr, dass in Zukunft keine überzähligen Schoten mehr in meinem Kühlschrank ihren Aggregatzustand ändern müssen oder zu neuen Lebensformen mutieren, weil ich jetzt nicht mehr genötigt werde, Frischware auf Vorrat zu kaufen. Ist das nicht toll? Ein fetter Pluspunkt.

Ein paar Gänge weiter stöbere ich, trotz guter Vorsätze durch die Chips-Abteilung. Es leuchten mir jede Menge vertrauter Marken entgegen, auch noch mit deutscher Aufschrift! Blöd! Die sind bestimmt für die Touristen, weil die ja nichts essen, was sie nicht kennen. Man muß ja geschäftlich denken. Trotzdem – abgelehnt! Ich will wissen, was die Mallorquiner denn so am liebsten knabbern und finde ganz unten im Regal einen Karton, der schon ziemlich leer gekauft ist. Die Marke kenne ich nicht. Scheint aber lecker zu sein, da nur noch drei Tüten da sind. Also her damit und heute Abend vor der Glotze Probenaschen.

Ansonsten finde ich hier alles, was man so braucht. Auch bei den Hygieneartikeln greife ich zielstrebig zu Marken, die mir neu sind und beim Shampoo probiere ich gleich mal die Eroski-Marke. Wie sich später herausstellt, kann die locker mit den gewohnten teuren Marken mithalten. Ich bilde mir sogar ein, dass meine widerspenstige Mähne noch nie so geglänzt hat und so leicht kämmbar war, wie nach der ersten Wäsche mit besagtem „Billigshampoo“.

Kurz bevor ich mich an der Kasse anstellen will, stehe ich noch andächtig vor der Fischtheke. Was es da alles gibt! Fische, Krebse, Krabben, Muscheln, Tintenfische und jede Menge Meeresgetier, von dem ich noch nie was gehört, gesehen, geschweige denn schon mal gegessen habe. Ich beschließe schnell weiterzugehen, bevor mich die nette Verkäuferin hinter der Theke anspricht. Um hier was zu bestellen, muß ich erst ein paar Vokabeln pauken. Schließlich will ich mein vorzügliches Fischmenü, welches ich demnächst zu kreieren gedenke, auf Spanisch bestellen können.

An den Kassen schließlich herrscht zu bestimmten Zeiten ein mörderischer Andrang. Nicht zuletzt, weil der Kassenbereich sehr knapp bemessen und das Vörderband extrem kurz ist. Ein Großeinkauf passt da nicht drauf. Man muß alles auf wenigen Zentimetern stapeln bevor es über den Scanner gezogen wird und man es wieder in den Einkaufswagen packen kann. Die Kassiererinnen sind immer nett, haben alle Zeit der Welt und sind auch nicht böse, wenn man bei ihnen sein Kupfer-Kleingeld loswerden möchte. Sollte ein Kunde doch mal etwas zu lange den Betrieb aufhalten, weil er z.B. vergessen hat, seine Zwiebeln abzuwiegen, wird eine Kollegin gerufen, die das schnell für ihn erledigt und eine zweite Kasse aufgemacht. Und niemand in der Schlange beschwert sich, jedenfalls keine Einheimischen. Man behält sein Lächeln im Gesicht, denn alles ist hier ganz tranquilo. Ich finde das sehr erfrischend. Während ich darauf warte, dass ich meine Sachen aufs Band legen kann, erinnere ich mich daran, wie hektisch man in Deutschland durch die Kassen gescheucht wird. Schwup-wupp-klatsch! Landet alles im Einkaufswagen ohne Rücksicht auf zerbrechliche Sachen. Da stehe ich lieber hier ein bisschen länger an. Und irgendwann kann ich auch ein Schwätzchen an der Kasse mit Rosa, Maria und den anderen Mädels halten. Das wird bestimmt gut.

Einen kleinen Wehrmutstropfen hat die Sache allerdings: die weltbeste mallorquinische Salami, die ich je gegessen habe, gab´s dann doch beim Lidl.

Text: Nadja von der Hocht

Katzen auf Mallorca

Auf Mallorca lebt eine gigantische Population wilder und halbwilder Katzen. Und was für schöne Exemplare darunter sind! Beinahe jede Farbe und Rasse ist hier vertreten. Man begegnet ihnen quasi überall: an Häfen, auf Hinterhöfen, in Gärten, auf den Straßen und Gässchen der Ortschaften, an Promenaden, in Wohngebieten und natürlich immer in der Nähe von Bars, Cafés und Restaurants.
An manchen Stellen haben sie sich zu großen Rudeln zusammen geschlossen. Wenn man so einen Ort entdeckt hat, kann man viel Spaß beim Beobachten der lässigen Freilauftiger haben. Manche lassen sich sogar anlocken und erlauben dem begeisterten Katzenfan großmütig sie ein bißchen zu streicheln. Verweilt man am richtigen Ort zur richtigen Zeit ein bißchen länger, erkennt man auch den Grund, warum sich ganze Katzenfamilien an bestimmten Orten regelrecht zusammen rotten:
Sie werden gefüttert. In fast jedem Ort gibt es mindestens eine „Katzen-Frau“ oder „-Omi“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die armen, leidenden Kreaturen mit Futter zu versorgen. Auf den ersten Blick eine noble Geste. Denkt man allerdings ein Weilchen darüber nach, kommen die meisten Leute ganz von selbst darauf: Das regelmässige Füttern wilder Katzen hat langfristig gesehen, weder etwas mit Tier- noch mit Artenschutz zu tun. Und jede Aktion hat auch hier eine Reaktion zur Folge. In diesem Fall sogar mehrere:
Die Katze ist ein grimmiger und erfolgreicher Jäger. Sie frißt nicht nur Mäuse und Ratten, sondern ist auch äußerst erfolgreich in der Dezimierung der ständig nachwachsenden Population von Kakerlaken, Tausendfüßlern, Heuschrecken und anderem Getier, das der Mensch weder in seinem Garten noch in seinem Haus haben möchte. Eine freigeborene Katze ist sehr selbständig und kann sich auch selbst versorgen. Hat sie Hunger, geht sie jagen. Manche Katzen spezialisieren sich sogar auf ihre Lieblingsbeute und diese Fertigkeiten bringt das Muttertier dann ihren Jungen bei. Ist eine Katze bei der Jagd nicht erfolgreich, oder anders ausgedrückt, ist sie zu schwach um zu jagen und zu töten, wird sie verhungern. So überleben nur die geschickten Jäger. Das ist der Lauf der Natur. Man nennt das auch „natürliche Auslese“. Mischt sich jetzt der Mensch in diesen Kreislauf ein und beginnt aus falsch verstandener Tierliebe die Katzen fett und faul zu füttern, bringt er damit, wie so oft, das empfindliche Gleichgewicht völlig durcheinander.
Die Katzen jagen nicht mehr, weil sie das Futter ja kredenzt bekommen. Infolge dessen vermehren sich Schädlinge und Ungeziefer wieder ungestört und auch die Katzen haben jetzt mehr Zeit und, bedingt durch die Rudelbildung, viel mehr Gelegenheit untereinander zu kopulieren und sich unkontrolliert zu reproduzieren. Die Jungen der gefütterten Wildkatzen lernen von ihren Eltern nicht mehr zu jagen und sind nun auf die pünktliche und tägliche Fütterung angewiesen.
Nun haben wir also ein Übermaß an Ungeziefer, das man jetzt wieder chemisch bekämpfen muss und viel zu viele faule Katzen, die gerne Mülltüten aufreißen, kleine Hunde beißen und die liebevoll gepflegten Obst- und Gemüsegärten entweihen, indem sie sie als Toilette benutzen. Ab jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch erneut eingreift. Das kann auf zwei Arten passieren:
Entweder ziehen Angestellte der jeweiligen Ortschaft oder private „Tierschutzorganisationen“ los und versuchen in groß und umständlich angelegten Einfangaktionen der jagdfaulen aber trotzdem flinken Streuner habhaft zu werden, um sie zu kastrieren oder die genervten Anwohner nehmen die Sache selbst in die Hand und legen Köder mit Rattengift aus!
Weder das eine noch das andere ist eine gute Lösung. Der Mensch in seinem Übereifer und Streben nach Perfektion und Kontrolle selbst über die Natur hat, wenn er so weiter macht, bald alle Katzen erwischt, sie unfruchtbar gemacht und so mal wieder zum Aussterben einer wunderschönen und intelligenten Tiergattung beigetragen. Auf einer Insel ist so etwas besonders einfach. Die Einzigen, die sich über so etwas freuen dürften, sind deren Beutetiere. Mäuse, Kakerlaken und Co. lachen sich ins Fäustchen und erobern nun ungestört unseren Lebensraum zurück.
Giftköder stattdessen auszulegen ist besonders verabscheuungswürdig! Wer schon einmal gesehen hat, wie sein geliebtes Tier an Rattengift oder ähnlichem elendiglich verreckt ist, wünscht diese Art von Tod nicht mal einer Ratte! Es ist kein schneller Tod. Die Tiere leiden fürchterlich, denn ihre Innereien verflüssigen sich unaufhaltsam. Sie bluten aus Nase, Ohren, Schnäuzchen und manchmal sogar aus den Augen! Wer zu solchen Mitteln greift gehört weggesperrt!!
Dabei ist die Lösung ganz einfach! Die im guten Glauben handelnden und leider oft sehr starrsinnigen Katzen-Frauen und –Omis müssten ganz einfach aufhören mit dem was sie tun. Wenn niemand mehr die herrenlosen Katzen füttert, wird die Natur das Zepter wieder in die Hand nehmen und langsam aber sicher kann sich alles wieder einpendeln und das Gleichgewicht wird wieder hergestellt.
Warum bekommen denn die meisten kleineren Säugetiere oftmals mehr als ein Junges? Weil die Natur hart, unerbittlich und grausam ist und in ihr nun mal nur die Stärksten überleben. Die Schwachen oder die, mit dem wenigsten Durchsetzungsvermögen, das fängt schon beim Kampf um die ergiebigste von Mutters Zitzen an, bleiben auf der Strecke. Das garantiert den Erfolg einer jeden Spezies, weil nur die Starken, Ausdauernden und Gewitzten sich weiter vermehren dürfen.
Ich weiß, in der Theorie klingt sowas immer ganz einleuchtend und auch mir als Katzenverehrer blutet immer das Herz, wenn ich in einem Gebüsch ein junges Kätzchen liegen sehe, das es nicht geschafft hat. Aber der Mensch mischt sich viel zu oft ein, ohne sich über die Folgen seines Handelns im Klaren zu sein oder auch nur mal für den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht zu haben! Ganz viele Beispiel dafür, ob es nun um Katzen, Hunde oder Pferde geht, kann zum Beispiel auch auf Mallorca beobachten.
Es wird Zeit, dass ein Umdenken stattfindet. Du liebst Tiere? Du möchtest eines „retten“? Dann entscheide dich für ein Tier oder so viele, wie du meinst ernähren und versorgen zu können. Aber bedenke: sobald du ein Lebewesen den Gesetzen der Natur entziehst, übernimmst du die Verantwortung dafür! Dieses Tier wird irgendwann anfangen, dich zu lieben und ohne dich nicht mehr leben zu können. Es ist dann für den Rest seines Lebens auf dich angewiesen und da können schon mal 15 Jahre und sogar noch mehr zusammen kommen. Es wird dein sauberes, aufgeräumtes Heim auf den Kopf stellen und manchmal ziemlich lästig und nerv tötend sein. Es wird die Tapeten von der Wand kratzen, Türzargen einen neuen Look verpassen, das Klo ausräumen oder einfach nur so aus Trotz in dein duftig-weiches Bett pinkeln. Es wird sich vielleicht verletzen oder krank werden und du wirst es aufgelöst und mit klopfendem Herzen unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln zum Tierarzt fahren. Andere Menschen werden dich meiden, weil dein Tier in ihren Augen zu groß, zu schwarz oder zu gefährlich aussieht. Dein Leben wird sich komplett verändern und du wirst so manche Freiheit einbüßen…. Wenn du das alles auf dich nehmen und dein Tier trotzdem lieben kannst, hast du schon genug für den „Tierschutz“ getan. Und vergiß nicht, immer nur dein eigenes Tier zu füttern …

Text: Nadja von der Hocht

Neu auf Mallorca

Leben auf der Deutschen liebster Ferieninsel. Viele träumen davon und einige wenige erfüllen sich diesen Wunsch. Die Geschichten, unter welchen Umständen man hier gelandet ist, sind mannigfaltig und so verschieden wie die Menschen selbst.
Ich bin neuerdings einer davon. Die Entscheidung nach Mallorca auszuwandern war nicht leicht und hat sich über einige Jahre hingezogen.

Es mussten viele Fragen beantwortet werden:

Was hält uns noch in Deutschland? Ist es in Spanien besser? Reicht das bessere Wetter um sich wohl zu fühlen? Was ist mit dem lästigen Papierkram? Welche Behördengänge muss ich erledigen und kann ich das alleine? Wie melde ich mein Auto um und was zum Henker ist eine NIE?

Manche dieser Fragen muss man sich selbst stellen, für andere wiederum braucht man kompetenten Rat und die neuesten Informationen. An letzteres zu kommen ist nicht ganz einfach, da einem gerne uralter Klatsch und Tratsch als Tatsachen verkauft werden. Deshalb gilt: bloß nicht auf das Geschwätz von Leuten hören, die Ihre Erfahrungen aus zweiter Hand haben oder selbige vor Jahren gemacht haben, da sich hier behördenmässig ständig die Gesetze und Vorschriften ändern. Immer auf dem neuesten Stand zu bleiben ist harte Arbeit. Deshalb nehmen die meißten Leute hier die Dienste der sogenannten „Gestorias“ in Anspruch. Die erledigen den lästigen Papierkram für einen. Allerdings nicht umsonst. Wer versuchen möchte, sich das Geld zu sparen, kann auch direkt zur Behörde gehen und sich dort aus erster Hand schlau machen. Und keine Angst! Die Leute auf dem Amt sind alle sehr nett! Auch wenn einem die zugezogenen Deutschen hier fast alle was anderes erzählen wollen. Wenn man sich wenigstens Mühe gibt sein Anliegen auf Spanisch vorzutragen, wird einem sofort, freundlich und kompetent weitergeholfen. Wenn man allerdings großspurig, von oben herab, also typisch deutsch daherkommt, könnte man auf die Erfüllung seiner Wünsche dann doch etwas länger warten…

Unsereiner hat die notwendigen Behördengänge als sportliche Herausforderung betrachtet. Ist doch auch mal ein Abenteuer nach Palma zur Ausländerbehörde zu fahren, selbige erst mal zu finden und dann sein Anliegen mit wenigen Brocken Spanisch höchstselbst vorzutragen. Mit Geschichten im Kopf von Leuten, auf die man besser nicht gehört hätte, trägt man noch eine ordentliche Portion Schiß mit sich herum, da die Beamten hier ja angeblich so stur sind und aus Prinzip nur Mallorquin bzw. Catalan sprechen. Das kann ich ja mal so überhaupt nicht bestätigen.

Aber wir waren ja auch vorbildlich vorbereitet und sind mit einer ganz entspannten, also extrem undeutschen Einstellung an die Sache rangegangen:

Vor der Praxis kommt im Idealfall die Theorie. Was bedeutet, erst schlau machen, bevor man sich ins Auto setzt.

Also ab ins Internet. Dass man hier für sämtliche lebenswichtigen Dinge, wie Bankkonto oder Miet- oder Kaufverträge eine NIE braucht, wurde uns schon mitgeteilt. „Die Nummer, die den Ausländer identifiziert“ – grob übersetzt. Um hier also in irgendeiner Weise tätig werden zu können, muß man sich so eine NIE besorgen. Die gibt es in Palma im Ausländeramt. Da wir auf der ganz anderen Seite der Insel wohnen, überlegt man sich so eine Fahrt nach Palma dreimal. Das heißt, gut vorbereiten und bloß nichts vergessen. Was muss man für so einen Beamtengang alles mitbringen? Folgenden Schritt haben wir dann doch wieder typisch deutsch erledigt: genau recherchieren, ja nichts vergessen und lieber doppelt absichern. Das Ergebnis: im Internet fanden wir ein Formular, das man ausfüllen muss um die NIE zu beantragen. Selbiges wird ausgedruckt und vorsichtshalber mehrmals kopiert, da einem zugetragen wurde, die Behörden verlangen immer viele Kopien, kopieren aber nicht selbst. Um sich also unnötige Rennerei zu ersparen wird auch der Reisepaß mehrfach kopiert. Mit einem Arm voll Kopien von nur zwei Dokumenten macht man sich auf die Fahrt nach Palma und zwar möglichst früh. Informationen, die man sich zuerst beschaffen muss, wären auch die Lage und die Öffnungszeiten der Banken, bei denen man seinen Eintag ins Ausländerregister und seine NIE bezahlen muss. Die Beamten nehmen nämlich kein Bargeld an.

Nachdem man sich also fluchend durch Palmas Einbahnstraßen im Hafenviertel einen Weg gebahnt hat um wenigstens in die Nähe der Behörde zu kommen und einem freundlich winkenden selbsternannten Einparkhelfer ´nen Euro in die Hand gedrückt hat, in der Hoffnung, dass der Wagen hier nicht abgeschleppt wird, muss man einsehen, dass man zwar früh da ist aber beileibe nicht früh genug. Selbst eine halbe Stunde bevor die Behörde ihre Pforten offiziell öffnet, windet sich die Schlange der Wartenden bereits um die erste Kurve.

Da steht man nun und ist zum ersten Mal selbst der Ausländer. Zwischen den ganz normalen Menschen, wie man sie auch von zu Hause z.B. vom Arbeitsamt her kennt, stehen dann ein paar Leutchen, die sich alle Mühe geben, sich von der Masse der „Ausländer“ abzuheben. Man sieht sie nicht nur, man kann sie auch kaum überhören. Es sind Landsleute, um nicht zu sagen Deutsche, die sich lautstark darüber unterhalten, was hier in Spanien alles falsch läuft. Die Typen gibt´s echt überall. Wir halten etwas Abstand und konzentrieren uns auf unseren eigenen Kram, denn die Tore haben sich gerade geöffnet und die Schlange setzt sich erstaunlich zügig in Bewegung. Gleich am Eingang teilen sich die Leute in zwei Gruppen auf. Die eine steht vorm Ausländeramt, die andere vor der Polizei. Wir waren gerade im Begriff uns in die linke Schlange einzuordnen, als wir hörten, dass es die NIE bei der Polizei gibt. Klingt komisch … ist aber wohl so. Na gut, wenn dem so ist, also brav rechts einreihen. Die Schlange endet vor einem Schreibtisch, wo eine Dame Formulare verteilt. Sie spricht tatsächlich catalan. Jedenfalls nehme ich das an, weil ich nur ca. jedes dritte Wort verstehe. Es ist aber ausreichend, um ihr klar zu machen, das wir gerne eine NIE hätten und halten ihr unsere streberhaft bereits ausgefüllten Formulare unter die Nase. Jetzt will sie noch wissen wozu wir die NIE brauchen. Komische Frage… aber wir antworten höflich auf Spanisch, weil wir hier leben wollen und uns gerne eine Wohnung mieten möchten. Das geht nur mit einer NIE. Das Wunder geschieht: Die Beamtin, die angeblich so engstirnig sein soll und prinzipiell nur catalan spricht, versteht mein spanisches Gestammel überreicht uns eine Abriss-Nummer und dann dürfen wir Platz nehmen und warten, bis wir dran sind. Das war ja jetzt nicht so schwer. Wie geht’s wohl weiter? Bin schon sehr gespannt, angesichts der vielen Horrorgeschichten, die man bis jetzt so von spanischen Ämtern vernommen hat. Wir suchen uns einen Sitzplatz und vergleichen unsere Abrissnummer mit der auf der altertümlich anmutenden Anzeigentafel vor uns. Nur knapp dreißig Leute vor uns. Man will schon anfangen zu stöhnen, als man registriert, dass es doch recht zügig voran geht. Es ist noch früh am Morgen, die Leute sind motiviert und es sind doch tatsächlich alle Schreibtische im Raum gegenüber besetzt. Zwei Reihen vor uns sitzen die wichtigen Typen von vorhin und lassen niemanden im Unklaren darüber, wie gut sie sich hier auskennen und dass es doch immer wieder ein Kreuz mit der spanischen Bürokratie ist. Natürlich sind beide äußerst erfolgreiche Geschäftsmänner, von denen der eine gar kein Wort Spanisch spricht und der andere zum Übersetzten mitgekommen ist. Dieser wiederum kann gar nicht verstehen, warum man hier so sehr darauf besteht, catalan zu sprechen, ( das beherrscht er nämlich auch nicht) zuhause in Deutschland würde man die Ausländer ja auch nicht zwingen Kölsch zu lernen…

Ich komme gar nicht dazu über diese Aussage nachzudenken, denn die beiden Schlipsträger diskutieren bereits lauthals das nächste Aufregerthema. Sie haben, genau wie wir, die Nummer im Blick, um ja nicht zu verpassen, wann sie dran sind und beobachten, dass alle Leute sich erst von ihren Plätzen erheben, wenn ihre Nummer aufleuchtet. So eine Zeitverschwendung! Natürlich hat man sich gefälligst schon mal in die Nähe der Tür zu bewegen, wenn die Nummer vor einem dran ist, um ja die vier Sekunden Zeit zu sparen, die man braucht, um aufzustehen und den Raum zu betreten, in dem die NIE vergeben wird!

Ich rutsche auf meinem Stuhl ein wenig in mich zusammen und versuche nicht zu deutsch auszusehen. Ist ja peinlich!

Endlich kommen wir an die Reihe und dürfen einem jungen Mann gegenüber Platz nehmen, der freundlich unsere Papiere entgegen nimmt. Er ist sehr bemüht unsere für ihn komplizierten Namen korrekt in seinen Computer einzutippen und gewährt uns anschließend einen Blick auf seinen Monitor, damit wir überprüfen, dass unsere Daten auch ja fehlerfrei übertragen wurden. Er ist sehr höflich und geduldig und verbessert gerne, wenn man sich vor Aufregung wieder verhaspelt hat. Er überreicht uns ein Formular, mit dem wir zur nächsten Bank gehen sollen, um dort die Bearbeitungsgebühr einzuzahlen. Nach schüchterner Nachfrage unsererseits schenkt er uns sogar einen Plan auf dem sämtliche Banken eingezeichnet sind, die diese Einzahlung entgegen nehmen. Das machen nämlich nicht alle.

Wir bedanken uns und zischen los, um die nächste Bank, gleich um die Ecke aufzusuchen. Wir haben Glück. Die Banken nehmen diese Einzahlungen nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit an. Das hatten wir auch noch nicht gewusst und zehn Minuten vor Schalterschluß werden wir unser Geld noch los und eilen fröhlich mit abgestempeltem Beleg in der Hand zur Behörde zurück. Dort angekommen heißt es wieder, Nummer ziehen und warten. Dieses Mal zieht sich die Wartezeit ziemlich lange hin. Zwischendurch sehen wir, wie die beiden wichtigen Geschäftsmänner mit grimmiger Miene aus dem Raum kommen. Wild gestikulierend verlassen sie im Stechschritt die Behörde. Hat wohl nicht alles so geklappt, wie sie das wollten. Woran das wohl gelegen hat? …

Gute zwei Stunden dauert es, bis wir wieder dran sind, denn jetzt sind nur noch zwei Tische besetzt. Mittlerweile ist es Mittag und die Kollegen sind wohl zu Tisch. Jetzt bearbeitet unseren Fall eine hübsche, junge Dame, die auf alle unsere holperig formulierten Fragen geduldig eine ausführliche Antwort gibt. Dann muss der Chef noch was absegnen und unterschreiben und zwei Minuten später hat Mallorca zwei weitere glückliche Besitzer einer NIE!

Beschwingt gehen wir zurück zum Auto, das unberührt auf uns wartet. Wenn das kein Erfolgserlebnis war. Den ersten wichtigen Behördengang ganz alleine erfolgreich gemeistert. Hat doch Spaß gemacht. Okay, bis wir zu Hause sind ist der Tag um, wir haben Hunger bis unter beide Arme und sind ziemlich durchgeschwitzt, obwohl es gar nicht so heiß ist. Aber das war mit Abstand der befriedigendste Beamtengang, den wir je durchstehen mussten. Ich weiß nicht, worüber sich die Leute dauernd beschweren.

Als nächstes melden wir uns im Rathaus unserer neuen Gemeinde an. Mal sehen, wie die so drauf sind. Irgendwo muß dieser unausstehliche, mallorquinische, sture, nur catalan verstehende Beamte doch sitzen, von dem sie hier alle erzählen …

Text: Nadja von der Hocht