Ein Spaziergang zum Faro de Formentor

Anfang März auf des Deutschen liebster Urlaubsinsel. Das Wetter wird schon wieder wärmer, es gibt öfters ein paar sonnige Tage, aber für Badeurlaub ist es noch zu kalt. Dafür begegnet man schon den ersten Inselfreunden, die sich mit dem Mietauto die Insel ansehen, die Radsportler sind auch schon da und auch wir haben uns heute spontan für einen längeren Ausflug zum Cap Formentor entschieden. Wir wollten herausfinden, wie nah man an das Cap herankommt, denn seit 2018 ist das letzte Stück Weg bis zum Leuchtturm für PKWs wegen Überfüllung und zu viel Chaos auf den engen Bergpässen gesperrt und man gelangt nur noch mit einem Shuttlebus dorthin, der die Urlauber ein Stück weiter unten am letzten großen Parkplatz einsammelt.
Ein Ausflug in die Berge ist an trockenen Tagen in den Wintermonaten am schönsten, weil man da die Straßen fast ganz für sich hat … es sei denn, es ist ein Feiertag. Dann tummeln sich selbst an den abgelegensten Grillplätzen die Einheimischen mit der ganzen Familie.
Wir starteten von Capdepera aus und gingen bei dem Wetter ein bißchen auf Risiko, denn zwischen Artà und Can Picafort fuhr doch noch eine ziemlich dunkle Wolke mit, die sich zwischendurch ein wenig abregnete. Aber bis zum östlichsten Ende der Insel war es noch ein Stück und bald drehte zum Glück der Wind und die dunklen Wolken änderten ihren Kurs in Richtung Palma. Wir ließen Port de Pollenca mit seiner langen Bucht, in der sich im Sommer die Kitesurfer tummeln, hinter uns und schraubten uns die Bergstraße hinauf. Es war nicht viel Verkehr und nur manchmal musste man eine Gruppe Radsportler oder vereinzelte Radfahrer überholen, die sich verbissen die Steigungen hinauf kämpften.

Wir fuhren zügig am großen Aussichtspunkt „Mirador Es Colomer“ vorbei. Hier wollten wir erst auf dem Rückweg anhalten. Außerdem war kein Parkplatz mehr frei. Dieser Platz bietet zu vielen Seiten eine grandiose Aussicht und hier tummelten sich auch heute die Ausflügler. Also schlängelten wir uns zielstrebig an den eng geparkten Autos vorbei und strebten weiter in Richtung Leuchtturm, der auf dem östlichen Ende und gleichzeitig auf dem nördlichsten Punkt der Baleareninsel 167 Meter über dem Meeresspiegel thront.
An dem Parkplatz (Parking Far de Formentor), an dem man im Sommer seinen Wagen stehen lassen muss, mogelten wir uns an der ersten, einseitigen Sperre vorbei. Am Parkplatz standen kaum Autos, das Kassenhäuschen war nicht besetzt und es kamen in regelmäßigen Abständen Autos den Berg wieder hinunter. Wenn die das durften, dann wir auch … wo kein Kläger, da kein Richter. Der Weg führte noch ein Stück durch ein kleines Wäldchen und dann begann der Abschnitt mit den schönen Aussichten, die man im Auto so selten genießen kann, wenn man von hinten gescheucht wird; und es gibt auf der engen Straße so selten Gelegenheit mal rechts ran zu fahren. Die wenigen, vereinzelten Parkbuchten sind garantiert schon belegt. So war es auch heute. Aber da allgemein wenig Verkehr war, konnte man es wagen, ab und zu mal stehen zu bleiben, das Bergpanorama länger als ein paar Sekunden zu genießen und ein Foto zu schießen.

Mirador al Far de Formentor
Mirador al Far de Formentor

Dann gelangten wir an den Aussichtspunkt „Mirador al Far de Formentor“ oberhalb der Cova de la Sirena, an dem einen der Leuchtturm schemenhaft aus der Ferne zu winkt. Bis zu ihm ist es noch ein ganz schönes Stück. Es gibt nur wenige Parkmöglichkeiten und hier war dann auch die Straße ein zweites Mal gesperrt. An dieser Absperrung trauten wir uns mit dem Wagen dann doch nicht vorbei.

Sperrung

Die sah irgendwie aus, als würde sie es Ernst meinen. Außerdem war die komplette letzte Kurve vor der Absperrung einseitig zu geparkt und weit und breit kaum ein Mensch zu sehen. Von hier aus machte man sich also zu Fuß auf den Weg. So wollten wir auch tun, ohne so genau zu wissen, was wir uns da vorgenommen hatten, denn bis zum Turm waren es noch 4,7 Kilometer und die Stunde, die man brauchte, um da hin zu kommen, musste man ja auch wieder zurück spazieren. Aber es war ein so schöner Tag, wir schulterten unsere Kameras und machten uns frohen Mutes auf den Weg. Man konnte ja gefahrlos die asphaltierte Straße entlang wandern, ohne kraxeln zu müssen und wenn man nicht dauernd aufpassen muss, wo man lang läuft, hat man auch endlich ein Auge für die schöne Gegend um einen herum.
Und wie sich das gelohnt hat! Im Spaziertempo entdeckt man plötzlich Motive, die man in einem fahrenden Auto nicht mal ansatzweise bemerkt hätte. Zwischen den zum Teil uralten Pinien, die auf den steilen, felsigen Hängen Wurzeln geschlagen haben, formen viele bereits tote und abgestorbene Äste und Reste knorriger Bäume bizarre Gebilde. Das Licht malt auf den hellen Felsen bunte Bilder und unvermittelt grinsen einen versteinerte „Felskobolde“ freundlich entgegen. Auf den mit Gras bewachsenen Hängen und in den Tälern tummeln sich ungestört wilde Ziegen und hinter jeder Kurve hält der Weg einen weiteren unerwarteten, spektakulären Blick auf das Meer und die Buchten bereit. Der Weg ist kaum anstrengend und nach zwei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen hat dieser etwas längere Spaziergang so richtig gut getan.

So ganz unbedarft und sorglos durfte man sich allerdings auf der Straße dann doch nicht bewegen. Der ein oder andere Autofahrer ließ sich nämlich nicht von der Absperrung abschrecken und auch den Radfahrern musste man Platz machen, wenn man sie denn frühzeitig bemerkt hatte. Irgendwie haben die Fahrräder von heute alle keine Klingel…
Nach einem guten Stündchen hatten wir endlich die letzte Anhöhe erreicht, von der aus uns der berühmte Leuchtturm in voller Pracht zu Füßen lag. Sogar bis nach Menorca konnten wir von dieser Stelle aus sehen und bei klarer Sicht leuchteten uns die weißen Strände der Schwesterinsel entgegen.

Leuchtturm "Faro de Formentor"
Leuchtturm „Faro de Formentor“

Jetzt schlängelt sich die Straße noch ein kurzes Stück bis zum Leuchtturm hinunter. Für die paar Autofahrer, die lieber nicht zu Fuß gehen wollten, war allerdings kurz vor dem Turm an einem Tor der Weg dann auch zu Ende und das letzte Stück Weg bis zum Turm mussten dann auch die fußkranken Römer per pedes bewältigen. Das Restaurant, das der Faro beherbergt, ist in den Wintermonaten geschlossen, genauso wie das letzte Tor und man gelangt mit dem Auto nicht bis ganz hinauf auf den Parkplatz und die Autofahrer sind gezwungen, auf der engen Straße zu wenden, wenn sie wieder zurück wollen. Das sollte allerdings nicht unsere Sorge sein. Wir kletterten auf den Felsen umher und suchten nach der besten Aussicht für das schönste Foto, bis es uns dann doch langsam zu kalt wurde. Die Zeit war unbemerkt schon weit fortgeschritten, es wurde langsam dunkler und die Halbinsel, auf der der Leuchtturm steht, trägt nicht umsonst den Beinamen „Treffpunkt der Winde“. Wir spazierten also wieder zurück und erfreuten uns auf dem Rückweg des Panoramas aus der entgegengesetzten Perspektive.
Wieder zurück im Auto machten wir uns gut gelaunt und kein bisschen erschöpft von dem ungewohnt langen Fußmarsch auf den Rückweg und ergatterten noch einen der wenigen freien Parkplätze am großen Aussichtspunkt. Ein ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende zu, die Sonne ging bereits langsam aber spektakulär unter und tauchte die Umgebung in ein fabelhaftes Licht, dass es noch hurtig mit der guten Kamera einzufangen galt.
Das ist das Schöne hier auf unserer Insel des Lichts: der Himmel und das Meer sehen jeden Tag anders aus.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Mexiko Rundreise

Mexiko! Die meisten Menschen denken sofort an Sombreros, Tequila und Kakteen. Doch Mexiko ist so viel mehr. Obwohl Teil der Neuen Welt, hat Mexiko eine alte Geschichte, noch vor der Eroberung. Davon zeugen u.a. die Maya Stätten auf der Halbinsel Yucatán. Um diese zu sehen, begab ich mich auf eine Rundreise. Sie begann in einem der schönsten Urlaubsorte Mexikos, in Cancún. Von dort ging zu einer der bekanntesten Ausgrabungsstätten der Maya: Chichén Itzá.

Es handelt sich um Ruinen aus der späten Maya Zeit und wurde 1988 zum Kulturerbe erklärt. Chichén Itzá war ca. 2000 Jahre lang bewohnt. Am imposantesten sind die Kukulcán Pyramide und der große Ballspielplatz. Darüber hinaus beeindrucken noch viele unterschiedliche Tempel, Plattformen und das Observatorium. Zahlreiche Gravuren, Hieroglyphen und Opfertische zeugen von blutigen Ritualen bis hin zu Menschenopfern. Über vieles wird immer noch spekuliert. Auf Grund seines Bekanntheitsgrades zieht die Ausgrabungsstätte viele Besucher mit störenden Begleiterscheinungen an: Verkaufsstände wohin das Auge reicht und Warenanpreisungen in den unterschiedlichsten Sprachen. So wurde mir auf Deutsch eine Holzschlange angepriesen: „Schlange für die Schwiegermutter“.
Bei den Mayas heißt der Schlangengott, für den der Eroberer Hernán Cortés gehalten wurde, „Kukulcán“, bei den Azteken „Quetzalcoatl“.

Izmal Kloster
Izmal Kloster

Weiter ging es nach Izmal, wo ein riesiges Kloster auf den abgerissenen Steinen einer Maya Pyramide erbaut wurde. Dort wird die Heilige Jungfrau von Guadalupe verehrt. Diese Art der willkürlichen Zerstörung wird für mich immer unverständlich bleiben. Von dort ging es nach Mérida, wo die älteste Kirche des amerikanischen Kontinents steht (Festland). Fertiggestellt 1598.

Kirche
Kirche

Am nächsten Tag ging es weiter entlang des „Paseo montejo“, wo früher die Großgrundbesitzer ihre Haciendas und Villen stehen hatten. Diese sind größtenteils restauriert worden und dienen heute als Büros.

Campeche war unser nächstes Ziel, eine ehemalige Piratenstadt. Dort stehen noch Reste der alten Festungsmauer, die um den Stadtkern herum erbaut worden war.
Der nächste Tag stand wieder im Zeichen der Mayas. Zunächst ging es nach Edzná, wo es die Große Akropolis zu bestaunen gab, danach weiter nach Uxmal, einer großen und bedeutenden Stadt der Mayas.

Der Gouverneurspalast und die Pyramide des Zauberers sind hier besonders interessant. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausgrabungsstätten ist Uxmal auf mehreren Ebenen erbaut und die Ruinen sind begehbar.
Am nächsten Tag besichtigten wir die Hacienda Yaxcopoil aus dem 17. Jahrhundert. Dort findet man noch Maschinen aus der Zeit der Faserproduktion (Sisal) und altes Mobiliar.
Nach all den Ruinen ein Zeugnis von Leben. Es ist ein wunderschönes Gebäude mit Innenhof und blühenden Gärten. Perfekte Kulisse für eine Hollywood Romanze.
Zum Abschluss besuchten wird die Ausgrabungsstätte Tulúm. Diese liegt direkt an der Karibikküste. Durch das Klima sind die Ruinen weniger gut erhalten als die im Landesinneren, doch auch Tulúm legt ein faszinierendes Zeugnis dieser alten Hochkultur ab. Die Ruinen an sich sind schon imposant, doch muss man sich bewusst machen, dass diese früher bunt bemalt gewesen sind. Ein paar wenige Steinquader weisen noch Farbreste auf. Außerdem sind die Ruinen nur Teile der alten Stätte. Vieles liegt noch verborgen. Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen Völkern leben die Mayas noch heute. Im Bundestaat Chiapas leben sie sogar weitgehend autonom.

Auf der Reise gab es aber noch mehr zu sehen. So besuchten wir einen riesigen Gewürzmarkt, oder auch eine „Hemdenfabrik“. Diese befand sich in einem Hinterhof und bestand aus einem einzigen schmucklosen Raum, in dem drei Nähmaschinen standen. Wir durften einen ansässigen Bauern in seinem Zuhause besuchen. Für uns Europäer eine interessante Erfahrung, besteht die Behausung doch lediglich aus einer Hütte mit einer Kochstelle und ein paar Hängematten. Eine Tür war nicht vorhanden. Das Grundstück war für mexikanische Verhältnisse bemerkenswert sauber. Allerdings war das vermutlich unserem Besuch geschuldet, da der Blick auf die Nachbarn ein ganz anderes Bild vermittelte. Abfall, insbesondere Plastik, wohin das Auge reichte. „Der Mexikaner liebt seinen Müll“ ist eine weit verbreitete Floskel, die hier ihren Wahrheitsgehalt bestätigt fand. Ein großes Problem in Mexiko ist der Plastikmüll, unter deren Masse Land und Meer zu ersticken drohen. Die wunderschönen Karibikstrände bekommen die Auswirkungen zu spüren, wenn bei starkem Seegang der Strand mit Plastikmüll gesäumt ist. An so manch einem Stück haben sich sogar bereits Meeressorganismen angesiedelt, ein Zeichen dafür, dass sich dieser Müll schon längere Zeit im Ozean befand. Auch bei Überlandfahrten erblickt man immer wieder Müllberge und verschmutzte Natur. Dies und die Armut der man begegnet, erinnert einen daran, sich in einem Schwellenland zu befinden. Auch als Tourist sollte man nach seiner Rückkehr, die Annehmlichkeiten eines Daches, einer Toilette, fließendem, warmen Wasser, eines Stromschalters sowie eines gut gefüllten Kühlschranks zu schätzen wissen. Trotz allem ist Mexiko eine Reise wert, denn neben Geschichte und Kultur sind es auch die Menschen, die durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft einen Aufenthalt unvergesslich machen. Mexiko ist so viel mehr als nur Tequila, Erdbeben, Kriminalität und Drogen, wie es einem Hollywood so gerne präsentiert.

Text und Fotos: Dr. Verena Quennet

Cotsa Rica – ein Naturparadies

Wer nach Costa Rica reist, hört als erstes den Ausspruch „Pura vida“. Übersetzt heißt es soviel wie pures Leben, wird in Costa Rica aber für jegliche Lebenslage von Hallo bis hin zur Begeisterungsäußerung genutzt. Und nicht zuletzt beschreibt es das Lebensgefühl in diesem Land. Wir hatten einen Traum wahr gemacht und eine Rundreise mit anschließendem Strandurlaub gebucht.
Nach ereignislosem Flug über Atlanta sind wir abends in San José angekommen und gleich zum ersten Hotel gebracht worden. Der nächste Morgen fing früh an und hatte gleich zwei positive Überraschungen parat. Der Reisebus kam pünktlich und es handelte sich nicht um so einen großen mit fester, riesiger Reisegruppe, sondern um einen kleinen mit drei Sitzreihen. Die anderen Gäste wurden zum Rafting gebracht und wir fuhren allein weiter. Es ging durch das wunderschöne Tal von Turrialba zum Guayabo National Monument. Eine Ausgrabungsstätte. Es handelt sich um eine Art Naturlehrpfad durch ein Gebiet, das einst bewohnt war, aber noch vor der Ankunft der Spanier aus unbekannten Gründen verlassen wurde. Man findet Ruinen von Behausungen, Straßen, dem Aquädukt und Gräbern, die interessanterweise ohne Knochenfunde sind. Mittagessen, das landestypische casado (ein Tellergericht) gab es auf einer idyllischen Dachterrasse. Danach ging es wieder über eine wunderschöne Strecke weiter zur nächsten Unterkunft, der Guayabo Lodge. Eine Öko Lodge. Diese liegt sehr schön in der Natur und hat einen wunderschönen Garten mit Bromelien und Orchideen. Von dort ging es am nächsten Tag nach Siquirres, wo wir den Bus wechselten und diesmal wirklich in einen der großen steigen mussten. Wir fuhren über einen holprigen Feldweg zur Anlegestelle Cano Blanco, vorbei an riesigen Bananenplantagen und Weideland. Wir bestiegen ein Boot, dass uns zu unserer Lodge Evergreen brachte. Auf der Strecke sahen wir Kaimane, Schildkröten und viele Vögel. Wir haben nach Ankunft sofort die schöne urwüchsige Gegend erkundet. Bevor wie sie sahen, hörten wir bereits die Brüllaffen. Wir betrachteten große, grüne Spinnen, Aracaris, Schmetterlinge und ich erfreute mich an den schönen Orchideen, die man in Costa Rica überall in Hülle und Fülle findet. Am Nachmittag ging es per Boot zur Küstenstadt Tortuguero. Ein kleiner, ärmlicher Fischerort, der sich durch ein paar Souvenirshops mit überteuerten Preisen über Wasser hält. Der Karibikstrand war leider sehr verschmutzt, aber man konnte dort ein paar Schildkrötennester sehen (von daher der Name, Tortuga heißt Schildkröte auf spanisch). Am Abend wurde man dann vom Konzert der Grillen in den Schlaf gewiegt. Der nächste Tag begann vor 5:00 Uhr und es ging auf eine Bootsfahrt durch die Kanäle des Rio Tortuguero. Wir haben wieder Brüllaffen, Kapuzineräffchen (Herr Nilsson von Pippi Langstrumpf), einen Basilisk, Baby Kaimane und viele Vögel gesehen. Leider waren sehr viele Boote mit lautem Außenbordmotor unterwegs, so dass viele Tiere verscheucht wurden, bevor man sie sehen konnte. Man hörte nur das Geraschel im Unterholz. Aber die Fahrt durch die Natur war sehr schön. Nach der Rückkehr haben wir beim Frühstück wieder Aracaris, einen Tukan und bunt schillernde Kolibris gesehen. Dann ging es wieder zurück über Cano Blanco nach Siquirres. Von dort ging es weiter nach Guápiles, wo wieder der Bus gewechselt wurde. Es ging mit nur zwei weiteren Passagieren nach Sarapiqui zur Selva Verde Lodge. Diese liegt mitten im Wald und ist auf Stelzen gebaut und die einzeln gelegenen Blocks über Stege verbunden. Gleich nach Ankunft sahen wir einen Basilisk. Wir sind zum Fluss Sarapiqui gegangen, der direkt hinter der Lodge veläuft und sind dann noch durch Sekundärwald spaziert, auf der Such nach dem bird trail. An einem Tümpel haben wir Baby Leguane entdeckt und schöne Blumen gesehen. Um 5:00 morgens war die Nacht (wieder mit dem schönen Grillengezirpe) zu Ende, weil sich ein Brüllaffe in einem nahe gelegenen Baum niedergelassen hatte. Nach dem Frühstück entdeckte ich auf einem kleinen Felsen einen Pfeilgiftfrosch. Leider stürzte sich sofort eine Reisegruppe auf ihn, so dass er schnell verschwunden war. Weiter ging es zu einem Ausritt. Wir waren zu zweit mit einem ansässigen Bauern unterwegs und ritten in selbstbestimmter Gangart durch wunderschöne Landschaften, Wälder und Flüsse. Genuss pur! Im Schaukelstuhl auf der Restaurantterrasse haben wir dann entspannt die Aracaris beobachtet und sind dann wieder durch das Gelände spaziert. Es gab in der Mittagshitze aber nur Schmetterlinge und kleine Spinnen zu sehen. Es ging weiter nach La Fortuna, wo wir im Arenal Country Inn abgestiegen sind. Wir haben uns zu Fuß das Städtchen angesehen. Am nächsten Tag sind wir morgens auf eigene Faust zu einem Öko Zentrum gefahren, wo die Tiere frei leben. Auf unserem Rundgang sahen wir Vögel, ein Aguti, ein 2-Zehen Faultier mit Baby, Eichhörnchen, Leguane, Kaimane und einen winzig kleinen Erdbeerpfeilgiftfrosch. Ich hatte ihn gehört und dann tatsächlich aufgespürt. Am Nachmittag ging es gemäß Programm zum Vulkan Arenal. Dieser ist noch immer aktiv, hatte aber über 500 Jahre geschlummert, bis er dann im Jahre 1968 wieder ausbrach. Wir hatten vom Wetter her großes Glück und einen wunderbaren Blick. Es ging auf eine Wanderung am Fuße des Arenal und weiter hoch zu einem Aussichtspunkt. Auf einem Baum in einiger Entfernung entdecken wir mehrere Tukane mit knallbunten Schnäbeln. Zum Abschluss wurden wir zu Thermalquellen gebracht. Nachdem der Rest der Reisegruppe ausgestiegen war, wurden wir beide exklusiv zu einem anderen Thermalbad chauffiert, das fast menschenleer war. Die Thermalbecken waren terrassenförmig inmitten der Vegetation angelegt, so dass in jedes Becken ein kleiner Wasserfall von dem darüberliegenden floss. Wir aalten uns in den Becken und tranken dazu eine vorzügliche (alkoholfreie) Pina Colada. Es war himmlisch! Damit war die Rundreise beendet aber unser Urlaub noch nicht.

Es ging mit zwei Zwischenstopps und einem Buswechsel zum Pazifik nach Sámara. Auf einem der Stopps wurden wilde Aras angefüttert. Jede Menge rote, grün-rote und blaue mit gelber Brust waren da. Wunderschön! Wir wurden zu unserem Hotel Hideaway gebracht. Klein, mit nur zwei Bungalows im Garten. Diese sind zweistöckig mit je drei geräumigen Zimmern oben und unten. Die Inhaber waren Amerikaner und alles ging sehr familiär zu. Die Playa Sámara befand sich direkt hinter dem Hauptgebäude und wir haben uns auf einen Strandspaziergang gemacht. Der Strand ist groß, sauber und leer, bis auf einen Bootsverleih etwas weiter weg. Der Wald reicht bis an den Strand heran und da es kaum Hotels dort gibt, ist dort auch kein Tourismus vorhanden. Es gibt daher aber auch keine Strandliegen, Sonnenschirme oder ähnliches. Die Umgebung wirkt ein wenig urig, allerdings irgendwie trist und grau. Überall stehen lauter armselige Hütten. Ob das billige Ferienwohnungen oder Anwohner sind war schwer zu sagen. Uns wurde am nächsten Morgen die Playa Carillo empfohlen. In mörderischer Hitze machten wir uns auf den 8-10 minütigen Fußweg und wurden mit einem wunderschönen Strand belohnt. Kein Wald, sondern Palmen wuchsen hier. Manche sogar schräg, so dass wir es uns im Schatten gemütlich machen konnten. Es war fast menschenleer. In der Nähe war ein junges Pärchen und dann in weiter Ferne noch ein paar einzelne Gestalten. Es herrschte absolute Ruhe, eine leichte Brise wehte und die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel. Das Meer ist warm und flach und es gibt keine Verkäufer. Ein Idyll! Der Strand ist voller kleiner, heller Krabben und am Abend kommen hunderte von Einsiedlerkrebsen aus ihren Verstecken. Die ersten Tage verbrachten wir am Strand und am bzw. im Hotelpool. Auf dem Weg zum Strand und auch auf dem Hotelgelände leben viele kleine bis mittelgroße, grau-braune Leguane. Ständig huscht und raschelt es. Sámara selbst ist ein Touristenort mit Bars und Restaurants, Souvenir- und Einkaufsläden, machte auf mich aber einen gezwungenen, schäbigen Eindruck. Nachts am dunklen Strand beobachteten wir seltsame Zusammenkünfte, blinkende Signale und suspekte Vorgänge. Wir haben uns schleunigst aus dem Staub gemacht und nächtliche Strandbesuche dann eher vermieden. Wir hatten für die nächsten zwei Tage einen Mietwagen. Zunächst sind wir nur in der Gegend herumgefahren und haben eine Auffangstation für konfiszierte Tiere besucht. Für den nächsten Tag war ein Strand hopping geplant. Wir sind von Sámara über Nicoya und Santa Cruz nach Belém und von dort westwärts zur Playa Brasilito gefahren. Der Strand war leer und unspektakulär. Zu Fuß sind wir weiter zur Playa Conchal, dem Muschelstrand. Der besteht komplett aus Muschelkies und das Wasser ist daher kristallklar und türkisblau. Leider gibt es dort Verkäufer und viele Menschen. Über Playa Grande ging es nach Tamarindo. Das ist eine Touristenhochburg mit den großen Bettenburgen und dementsprechend geht es dort auch zu. Während unseres Mittagessens in einem Strandrestaurant schlichen insgesamt sechs Verkäufer um uns herum. Das war schon sehr lästig. Der Strand war voll und nicht schön und wir beglückwünschten uns zu unserer ruhigen und leeren Playa Carillo. Am nächsten Tag stand Puerto Humo auf dem Programm, auf das ich eher zufällig gestoßen bin. In Nicoya ging es ab auf die Piste Richtung Puerto Humo. Wir sind durch kleine Dörfchen gefahren, an kargen Behausungen und hübschen kleinen Villen vorbei, an Weideland und Haciendas. Es war eine sehr schöne Strecke. Noch richtig urtümlich und wild. Unterwegs haben wir wieder viele Leguane gesehen. Wir sind am Rancho Humo vorbei, wo es organisierte Touren gibt, aber das wollten wir nicht. In Puerto Humo gab es nichts, allerdings habe ich ein Schild gesehen auf dem Bootstouren angepriesen wurden. Ich habe dann einfach einen Mann angequatscht und der kannte einen Bootsführer. Was für ein Zufall… Wir sind also auf den Fluss und haben im Uferschlamm Unmengen kleiner Krokodile gesehen. Es gab Vögel, Affen und einen großen, grünen und wunderschönen Baumleguan haben wir auch noch erspäht. Dann ging es zur Vogelinsel. Schon von weitem sah man die Schwärme und beim Näherkommen sah man Unmengen an Fregattvögeln in den Bäumen sitzen. Auf einer kleinen, unbewaldeten Landzunge lagen zwei große Krokodile am Ufer und als der Fahrer den Motor abstellte hat man erst richtig den Lärm all der vielen Vögel gehört. Zum Schluss kam dann auch noch ein rosa Löffler in Sicht, den ich schon die ganze Zeit gesucht hatte. Im Schatten eines ausladenden Baumes, haben wir gepicknickt und sind dann zurück gefahren. Mein Mann hatte in der Nähe unseres Hotels ein argentinisches Restaurant ausfindig gemacht, und dort klang dieser schöne Tag gemütlich bei leckeren Steaks aus. Am nächsten Tag erzählte man uns am späten Nachmittag von der Ankunft der Schildkröten. Wir haben und daraufhin auf den Weg nach Playa Ostial gemacht. Leider fing es an in Strömen zu regen, und am Strand selbst waren nur wenige Schildkröten zu sehen und es war zu dunkel für gescheite Fotos. Eine kehrte gerade zurück ins Meer. Die schwarze, riesige Silhouette zeichnete sich im Dämmerlicht deutlich ab und verschwand dann in den Wellen. Eine andere konnten wir beim Eierlegen beobachten. Ein Moment voller Faszination und Demut. Angeln stand am nächsten Tag auf dem Programm. Wir hatten von anderen Hotelgästen von einem Fischer gehört, der Angeltouren anbietet. Früh am Morgen ging es dann los zu einer exklusiven Tour zu zweit mit Fredy und seinem Kumpel Marcos. Es war herrlich. Wir sahen große Fischschwärme, streckenweise fliegend, auf der Flucht vor Thunfischen, in der Ferne springende Delfine, einen großen Mantarochen und mein Mann angelte ein Fisch nach dem anderen, so dass der Fredy schon ganz neidisch wurde. Die Tour war nur für drei Stunden vorgesehen, aber wir waren über fünf Stunden unterwegs. Am Ende haben wir den größten Teil des Fangs den beiden Männern geschenkt. Den Rest habe ich im Hotel in der Küche abgegeben und darum gebeten ihn ganz natürlich und nur mit Zitronenbutter zuzubereiten. Es war ein Genuss! Die letzten beiden Tage haben wir am Strand verbracht. Die fünf Stunden Fahrt zurück nach San José zogen sich etwas, aber da das Land so schön ist, kann man stundenlang aus dem Fenster gucken. Wir stiegen für die letzte Nacht im Double Tree ab. Ein fünf Sterne Bunker der Hilton Kette. Was für eine Dekadenz! Im hoteleigenen Kasino wollte ich meine letzten Colones loswerden, kam aber mit doppelt so viel Geld wieder heraus.

Costa Rica hat alles gehalten, was wir uns versprochen und erhofft hatten und hat noch viele positive Überraschungen parat gehabt. Es lief alles sehr gut organisiert ab, es gab keine großen Reisegruppen, keine Massenabfertigung, die Führer waren sehr gut ausgebildet, das Land war sauber, man fühlte sich sicher und die Natur, Tier- und Pflanzenwelt war einfach unvergesslich und atemberaubend schön. Pura vida!

Text und Fotos: Dr. Verena Quennet

Yeehaw…. Eine Woche Texas

Bei fast unerträglicher Hitze und Adrenalin im Gepäck beim Hinflug. Sozusagen ein Flug mit Hindernissen.
Meine Maschine von Hannover kam schon mit Verspätung in Frankfurt an. Chaotische Menschenmassen standen an der Passkontrolle. Hat alles ewig gedauert und mein Adrenalin stieg kontinuierlich, da mein Abflug um 10:00 Uhr nach Houston immer näher rückte.
Endlich, um 9:55 war ich durch und beeilte mich zu meinem Gate zu kommen, das natürlich wieder am Ende des Terminals lag. Um 10:05 erreichte ich mein Gate völlig außer Atem und hörte jemanden meinen Namen sagen. Man fragte sich doch tatsächlich, ob man mich noch mitfliegen lassen wolle. Unerhört! Schließlich war die Verspätung nicht mein Verschulden.
Mein Sitzplatz befand sich zwischen einem korpulenten jungen Amerikaner und einer zierlichen Veganerin aus Indien. Au weia, und das für 10,5 Stunden Flugzeit. Selbst im A380, dem Riesenvogel, waren die Sitzplätze doch sehr beengt. Mir tat mein Steiß noch zwei Tage danach weh. Bis Housten hatte ich ansonsten einen ruhigen Flug. Ich erschrak, als ich auf dem Weg zur Passkontrolle war, über die riesige Menschenmenge, die sich an 20 Apparaten verteilten und auf die elektronische Zollabfertigung warteten. Adrenalinschub und ran an den Feind. Ich mag diese Apparate nicht, weil ich befürchtete etwas falsch einzugeben. Kein Helfer in Sicht, den man hätte fragen können. Also, erstmal lesen, was die von mir wollen. Paß eingelegt zum scannen, 4 Finger der rechten Hand auf die Scanplatte gelegt, dann Angaben gemacht über eingeführte Güter. Dann noch einen Gesichtsscan, worauf der Apparat die Quittung ausspuckte. Damit zog ich, nach einer gefühlten Ewigkeit und Angst, den Anschluß nach San Antonio zu verpassen, zur Passkontrolle. Ein netter Beamter wünschte mir eine schöne Zeit in Texas und ich beeilte mich meinen Koffer zu identifizieren für die Verladung in das Anschlußflugzeug. Oh, Schreck, mein Koffer war nicht zu finden. Etwas beunruhigt suchte ich weiter und fand ich ihn eingekeilt zwischen anderen Koffern auf einem ungekennzeichneten Band. Flugs schnappte ich ihn und rollte damit zur Zollkontrolle. Da der Flug nach San Antonio Verspätung hatte, konnte ich mich erstmal in aller Ruhe von all den Schrecken erholen.

rustikales Ferienhäuschen
rustikales Ferienhäuschen

In San Antonio angekommen wurde ich von meiner Familie abgeholt und wir fuhren nach Bandera zur „Mayan Dude Ranch“, um gemeinsam ein paar schöne Tage zusammen zu verbringen. Der Beiname „Dude“ war ursprünglich ein Schimpfwort. Es stand für Möchtegerncowboys. Auf dem Weg zur Ranch begegneten wir etlichen Rehen, die sich zutraulich verhielten und uns nur neugierig beäugten. Weiter entfernt am Waldrand standen hunderte von ihnen und grasten. Unglaublich schön dieser Anblick. So langsam wich der Streß von mir und ich begann, den Urlaub zu genießen.

Rehe auf dem Ranchgelände
Rehe auf dem Ranchgelände

Das Anwesen der Großfamilie Hicks, mit seinen weitverstreuten rustikalen Ferienhäuschen, lag auf einem Hügel inmitten von alten knorrigen Bäumen, die etwas Schatten spendeten auf dem Weg zum Haupthaus, indem man täglich sein Frühstück einnahm. Natürlich typisch texanisch nach alter Cowboy Tradition. Schinken, Speck, Eier, Pfannkuchen, Grillwürstchen, Sirup und Peanutbutter. Das war schon ein kulinarisches Erlebnis.
Ein täglich wechselndes Programm versprach weitere interessante Abenteuer. Mein erster Ausritt begann schon abenteuerlich, da mein Sattel nicht ordnungsgemäß festgezurrt war und ich gegenhalten musste, um nicht abzustürzen. Es blieb auch keine Zeit jemanden zu bitten nachzubessern, da, nachdem alle 20 Touris aufsaßen, der Treck „had on tail“ schon los zog. Ich hielt mich wacker, indem ich mein Gewicht zur anderen Seite verlagerte. Das war anstrengend und mein Glücksgefühl auf dem Rücken des Pferdes hielt sich in Grenzen. Im Gänsemarsch führte man uns hinunter an den Medina river. Ein beeindruckender Trail durch die Natur entlang des Flusses unter gigantischen Bäumen und dann wieder offenem Gelände. Trotz Muskelkater ein schönes Erlebnis.

Dinosaurier Spuren, oben links u. unten rechts s.Pfeile
Dinosaurier Spuren, oben links u. unten rechts s.Pfeile

Interessant waren für mich die Dinosaurier Trecks. Auf einem flachen Felsenstück wurden von Geologen versteinerte Saurier Fußabdrücke entdeckt. Vor 135 Millionen Jahren lag das ganze Areal unter dem Meeresspiegel, was auch Funde von versteinerten Schnecken, Muscheln und fossilen Ammoniten bezeugen. Ein weiteres Vergnügen, besonders für Kinder, war die Fahrt auf dem Heuwagen zum Hicksville Grillplatz.

Auf dem Heuwagen nach Hicksville
Auf dem Heuwagen nach Hicksville

Unter Schatten spendenden Bäumen standen rustikale Bänke und Tische an denen man, einigermaßen geschützt vor der sengenden Sonne, sein Abendessen einnehmen konnte. Leider gab es dort nur Bratwurst und Rippchen vom Grill, dazu diverse Salate und Brot. Mit einem ordentlichen Steak wurden wir dann erst am letzten Abend vor unserer Abreise überrascht, begleitet von Mariachi Musik. Davon hatte ich mir allerdings mehr versprochen. Die Band bestand nur aus drei betagten Herren, die sich redlich mühten etwas Stimmung zu machen. Die Gäste reagierten nur mit müdem Beifall. Zuvor wurde ein ebenso betagtes Longhorn vorgeführt. Jeder der wollte, durfte sich mit ihm ablichten lassen und auch auf seinen Rücken klettern. Eine große Attraktion wieder für die Kinder.

Fotomodel Longhorn
Fotomodel Longhorn

An einem anderen Tag fuhren wir über Land nach Medina, um auch etwas von Texas zu sehen. Das Land ist erstaunlich vegetationsreich trotz Hitze und Trockenheit. Weit auseinander gezogene Siedlungen und Farmen, kaum sichtbar versteckt in Wäldern und hinter Büschen, lassen die Landschaft fast unbewohnt wirken. Nicht verwunderlich bei einer Fläche von 695.621 km² und nur 28,3 Millionen Einwohnern. Das heißt: 43 Einwohner auf 1 km². Deutschland ist nur halb so groß mit 82.792.351 Einwohnern. Der Ort Medina soll berühmt für seine Äpfel sein. In dem Patio Café, in dem wir einkehrten, boten sie leckere Apfelkuchen an. Wir rasteten bei Kaffee und Kuchen unter Schatten spendenden Bäumen und ließen den Tag dort ausklingen. Die unsägliche Hitze hat mich von weiteren Aktivitäten auf der Ranch abgehalten. Da ging ich doch lieber an den Medina river hinunter, um dort unter rauschenden Bäumen meinen Gedanken nachzuhängen. Unter`m Strich erlebte ich eine ereignisreiche und interessante Woche.

Text und Fotos: Roswitha Banning

Fischerhude

Fischerhude, ein idyllisch gelegenes Bauern- und Künstlerdorf am Südrande des Teufelsmoores gelegen, war mein Tagesausflugsziel. Der Ort liegt an der Wümme im Landkreis Verden in Niedersachsen und ist ein Ortsteil des Fleckens Ottersberg.
Der erste Eindruck war schon beeindruckend. Dieser Ort liegt verträumt eingebettet zwischen alten Eichen und Erlen in der Wümmeniederung mit seinen vielen Nebenarmen nahe Bremen.

Entenhaus an der Wuemme
Entenhaus an der Wuemme

Ein Wanderweg führte am Fluss entlang und über hölzerne Brücken. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick auf versteckt liegende Gehöfte, Bootsstege und Entenhäuschen am Wümmeufer. Der Hauch aus längst vergangener Zeit lag in der Luft als die Gästeführerin Rosemarie Rohde aus der Zeit erzählte, als die Wege im Ort noch Wasserstraßen und nur mit Booten zu erreichen waren. Die gefangenen Aale aus der Wümme und das Heu von den Wiesen wurde so zu den Höfen gebracht und zum Teil verkauft, wodurch die Bauern zu Wohlstand gelangten, der sich noch heute an den Höfen und Fachwerkhäusern erkennen lässt. Urkundliche Erwähnung fand der Ort bereits im Jahre 1124.

Cafe Rilke
Cafe Rilke

Die besonderen Lichtverhältnisse lockte viele Künstler an diesen Ort, nachdem der Fischerhuder Maler Heinrich Breling aus Worpswede zurück in sein Heimatdorf zog. Es folgten ihm der Maler Otto Modersohn, die Schriftstellerin Clara Rilke-Westhoff, sowie Musiker und Bildhauer an diesen malerischen Flecken. Das Otto Modersohn Museum in der Bredenau gibt Aufschluss über Leben und Wirken im Künstlerdorf.

Die Ortsmitte bzw. der Dorfplatz, umringt von Höfen, dem Heimatmuseum, der Kirche und Fachwerkhäusern, ist so ganz anders als in anderen Dörfern, denn hier grasen Pferde auf der Wiese, auf der auch hin und wieder Veranstaltungen stattfinden.

Liebfrauenkirche
Liebfrauenkirche

Wo heute die Liebfrauenkirche steht, wurde 1195 ein sakraler Bau eingeweiht und von Karmeliter Mönchen betreut. In dieser kleinen Kapelle wurden die Verstorbenen seinerzeit aufgebahrt, bevor sie im Wilstedter Kirchhof beigesetzt wurden. Fischerhude war der Wilstedter Kirche angeschlossen. Im Jahre 1825 legten die Fischerhuder einen eigenen Friedhof an. Am Ort der alten Kapelle wurde 1841 eine Pfarrkirche errichtet. Einen eigenen Pastor erhielten sie erst im Jahre 1852. Die Fischerhuder wussten sich zu helfen und setzten zwischenzeitlich Lehrer für den Gottesdienst ein.

In die Kirchhofmauer integrierte die Fischerhuder Gemeinde die aus Wilstedt zurückgeholten Grabsteine. Eine originelle Idee.

Zum krönenden Abschluss unseres Ausfluges besuchten wir das Café im Rilke Haus. Dieses hübsche Häuschen war Atelier und Wohnhaus von Clara Rilke-Westhoff, die Ehefrau des Poeten Rainer Maria Rilke.

Ein verwunschen gestalteter Garten, angrenzend an einen ruhigen Wümmearm, lud zum entspannten Verweilen ein bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen. Ein rundum lehrreicher und gelungener Tag ließ uns zufrieden die Heimfahrt antreten.

Text und Fotos: Roswitha Banning

Würzburg

Würzburg , die reizvolle und geschichtsträchtige Stadt am Main, das war mein diesjähriges Reiseziel zu unserem jährlichen Freundinnen Treff.
Würzburg ist mit der Bahn aus allen Richtungen gut zu erreichen.
Meine Freundinnen warteten schon auf mich und wir zuckelten dann mit unserem Hackenporsche in einem 15minütigen Spaziergang zu unserem Hotel nahe der Innenstadt.
Ich war sehr beeindruckt von den zum Teil prachtvollen Gebäuden des Mittelalters. Ich hörte förmlich das Wehklagen der Menschen, die zu Frondiensten herangezogen wurden, um dies alles zu verwirklichen. Was haben die geleistet! Die Architekten und Handwerker verdienen große Hochachtung. Nicht so die damals schon abgehobene fürstliche Obrigkeit.

Das Falkenhaus, benannt nach dem Falken auf dem Dach, diente im Mittelalter den Stuckateuren, die an der Ausschmückung der Fürstenresidenz und des Domes beteiligt waren, als Herberge. Jedoch erst viel später, 1751, bekam dieses Gasthaus seine üppige Fassade. Unglaublich, wie kunstvoll und filigran früher schon gearbeitet wurde.
Gleich nebendran steht die gotische Marienkapelle, deren Portal Riemenschneiders Sandsteinfiguren, Adam und Eva, zieren. Hier stand früher eine Synagoge, die 1349 zerstört wurde. Der im 11./12. Jahrhundert erbaute Dom machte auf mich keinen besonderen Eindruck. Erst das Kirchenschiff, das 1701/04 durch P. Magno mit Stuck verziert wurde, brachte mich zum Staunen.
Trotz der üppigen Stuckverzierung wirkte es nicht überladen, da es hauptsächlich in Weiß gehalten wurde. Einfach überwältigend.

Das nächste Highlight war für mich die Fürstenresidenz, die 1720-1744 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut wurde. Allein das Treppenhaus ist so riesig, dass ein Einfamilienhaus hineinpassen würde. Dann die phantastischen Deckengemälde, in denen die vier Kontinente widergegeben wurden in Form von Mensch, Tier und Vegetation. Dies zu beschreiben ist fast unmöglich, das muss man sich selbst anschauen. Gerne hätte ich ein Foto gemacht, jedoch fotografieren war nicht erlaubt. Von hier regierten die Fürsten als weltliche Herrscher und geistliche Oberhäupter das Hochstift Würzburg. 1981 ernannte die UNESCO die Residenz zum Weltkulturerbe.
Beeindruckend ist auch die 185 Meter lange steinerne Brücke über den Main , die Ende des 15. Jahrhunderts die alte Brücke von 1133 ersetzte. Später im 18. Jahrhundert wurden die barocken Heiligenfiguren aufgestellt. Und wieder waren es hauptsächlich Fürsten und geistliche Oberhäupter, die dort in Scene gesetzt wurden und keine Heiligen.

Über diese schöne Brücke kann man die Feste Marienberg, die auf einem Hügel auf der anderen Mainseite thront, auch gut zu Fuß erreichen. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und seine beide Stadtteile verbindende steinerne Brücke.
Ein schönes Städtchen im Herzen Deutschlands.

Text und Fotos: Roswitha Banning

Ein Bummel durch Palmas Altstadt

Um sich die Altstadt von Palma anzusehen, sollte man sich unbedingt ganz viel Zeit nehmen. Was noch ganz wichtig ist: gutes Schuhwerk und genug Wasser zum Trinken, um nicht alle Nase lang in einem der zahlreichen Cafés Halt machen zu müssen, weil einem die gnadenlose Sonne die letzten Feuchtigkeitsreserven aus dem Körper gezogen hat. Schließlich gibt es ja viel zu sehen und zu entdecken. Als erstes großes Ziel habe ich mir die Kathedrale ausgesucht, die majestätisch auf einem Hügel thront und von deren Plattform aus man einen schönen Blick auf den Hafen von Palma werfen kann. Leider ist das Gebäude nicht durchgehend geöffnet. Nur zu den Gottesdiensten und zu bestimmten Führungszeiten.

Rund um das imposante Gotteshaus gehen jede menge Gaukler, Straßenkünstler, Krimskramsverkäufer und leider auch das ein oder anderer fragwürdige Subjekt auf Touristenfang. Auch hier gilt, immer schön auf Tasche und Portemonnaie aufpassen, denn die Tricks der Taschendiebe, Bettler und „Glücksamulett“-Verkäufer werden jedes Jahr dreister und die Polizei kann nicht überall gleichzeitig sein. Also nichts annehmen, was einem aufgedrängt wird, weil sich nämlich erst hinterher herausstellt, dass man dafür bezahlen soll und ist die Geldbörse erst mal in der Hand, ist sie auch ganz schnell leer oder ganz weg. So schnell kann man gar nicht gucken, wie die Urlaubskasse weggemopst wird, die routinierten Jungs und Mädels arbeiten nämlich im Team.

Rund um die Kathedrale erstreckt sich ein weit verzweigtes Netz aus engen Straßen und Gässchen. Manche sind so eng, dass man sich jedes Mal fragt, wie die geparkten Autos ihren weg hierhin gefunden haben. Hier wäre eine Straßenkarte von Vorteil, um sich nicht hoffnungslos zu verirren und um nicht stundenlang im Kreis zu laufen. Viele der Gassen sind gespickt mit Shops, Läden und Boutiquen aller Art. Von billigem Touristenramsch bis zu teuren Designerklamotten, Uhren und Schmuck und nicht zu vergessen die einmaligen Mallorca-Perlen ist hier alles zu haben. Andere Gassen wiederum muten sehr einsam an und sind immer noch reine Wohngegend. Es lohnt sich mal einen Blick durch das ein oder andere Tor oder Gitter zu werfen, denn dahinter verbergen sich einmalig schöne, römisch anmutende Hinterhöfe mit gemauerten Torbögen, leicht geschwungenen Treppenaufgängen und steinernen Sitzbänken, geschmückt mit dezent gesetzten kleinen Palmen und Ziersträuchern. An einigen Wänden hängen noch Ringe, an denen man sicher vor nicht all zu langer Zeit noch sein Reittier angebunden hat.

Ist man irgendwann zu müde zum Laufen, stehen an vielen Ecken, ganz besonders in der Nähe der Kathedrale, viele bunte 1-PS-Kutschen bereit, mit denen man kleine Stadtrundfahrten machen kann. Allerdings empfiehlt es sich als Tierfreund vor so einer Fahrt einen genaueren Blick auf den körperlichen Zustand des Zugpferdes zu werfen. Ist, wie es leider gar nicht selten vorkommt, ein trauriges Gerippe vor die Kutsche gespannt, das in der prallen Sonne vor sich hinbrütet und auf Gäste wartet, so ist von einer Kutschfahrt mit speziell diesem Gefährt besser Abstand zu nehmen.
(Tip am Rande: Bloß nicht mit dem Kutscher über Tierschutz diskutieren –  das kann übel enden.)
Macht das Tier allerdings einen gesunden und fitten Eindruck, ist gegen eine kleine Kutschfahrt nichts einzuwenden. Verantwortungsvolle Kutscher kümmern sich gut um ihre Pferde und bieten in den heißen Mittagsstunden gar keine Fahrten an.
Palma ist so groß, dass selbst die Altstadt kaum an einem einzigen Tag zu erkunden ist. Denn außer der großen, alles dominierenden Kathedrale, verstecken sich in den vielen Nebenstraßen noch jede Menge weiterer Kirchen und Kapellen und jede hat ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen.
Nach einem ausgefüllten Sightseeing-Tag, empfiehlt es sich, in einem der zahlreichen Restaurants bei einem guten Essen wieder zu Kräften zu kommen, mit der Gewissheit, dass man noch längst nicht alles gesehen hat und dem festen Vorsatz, bald wieder zu kommen.

Text: Nadja von der Hocht

Fotos: Wolfgang von der Hocht

Ein Ausflug nach Port de Sóller

Im Nordwesten der Insel Mallorca erstreckt sich eine lange Bergkette, auf deren Gipfeln sogar im Winter manchmal Schnee liegt.
Wir hatten Lust auf eine kleine Spazierfahrt ins Gebirge und wollten uns den auf der anderen Seite des 156,83 Meter hohen Berges Puig de sa Mola gelegenen Hafen-Ort Port de Sóller ansehen. Da sollen ja so viele schöne Jachten vor Anker liegen. Seit 2007 führt ein 1329 Meter langer Tunnel durch den Berg und verkürzt die Fahrt rapide.

Aber das war ja nicht der Sinn der Sache. Wir wollten ja was sehen von der Landschaft und bogen so vor dem Tunnel rechts ab um die Serpentinen über den Berg zu nehmen. Wir schraubten uns die kurvige Straße den Berg hinauf und ich hätte an jeder Ecke anhalten und Fotos knipsen können. Die Aussicht wurde immer toller, je höher man kam.

Alle paar Höhenmeter entdeckten wir das ein oder andere versteckte Häuschen, das sich an die steilen Hänge schmiegte. Ganz schön mutig, da zu bauen und zu wohnen. Das fanden die Besitzer anscheinend auch. Denn vor fast jedem Tor hing ein Schild : „Se Vende“.

An der höchsten der Stelle der Straße hielten wir kurz an einem kleinen Rastplatz an um die Aussicht zu genießen und ein paar Fotos zu schießen. Dann ging es auf der anderen Seite den Berg wieder runter. Die Straße kam wieder genau neben dem Tunnel aus. Wir fuhren nach Port du Soller rein und fanden ein Parkhaus, in das wir unser Auto abstellten. Von da aus ging es im Schlender-Modus in Richtung Hafen. Es war sehr schönes Wetter und obwohl die Saison schon vorbei war, waren die Cafés und Restaurants alle noch gut besucht.

Wir spazierten ein Stück den Strand entlang bis wir zum Hafen kamen, in dem sich Reling an Reling die Jachten drängelten. Eine teurer und größer als die andere. Doch bevor wir in den Genuß kamen, ein wenig von Hochseefahrten auf teuren Jachten, die einem nie gehören werden, zu fantasieren, stolperten wir zuerst über einen 4-Meter-Hai, der tot in der Sonne lag.

Ich war so von den Jachten fasziniert, daß ich den Hai erst nicht gesehen habe und beinahe über ihn drüber gefallen wäre. Wer achtet auch schon beim Schlendern auf ´nem Quai auf Haie! Ich betrachtete das Ungetüm genauer und irgendwie kam mir der Fisch spanisch vor … Er hatte eine bräunlich Hautfarbe und er hatte keine Rückenflosse, da wo bei einem Hai eigentlich eine hingehört. Aber das Tier war eindeutig ein Hai. So was hatte ich auch noch nie gesehen. Spätere Recherchen ergaben, daß es sich bei diesem Exemplar um einen Sechskiemenhai handelte. Die Rückenflosse, die ich so vermisste, ist bei dieser Haiart ganz klein und sitzt weit hinten nahe der Schwanzflosse. Ganz schön fiese Tarnung! Wie soll man denn als Schwimmer wissen, ob man gleich gefressen wird, wenn er seine Flosse versteckt und sich nicht als Hai zu erkennen gibt!
Einige wenige Schaulustige standen um den Fisch herum, der bereits als Futter für die ersten Insekten diente. Ansonsten war kaum jemand sonderlich an dem komischen Hai interessiert. Selbst die drei Polizisten, die später dazu kamen, rauchten sich erst mal eine Zigarette, bevor sie entschieden, daß sie für Fische nicht zuständig sind und wieder von dannen zogen.

Wir gingen auch weiter und schlenderten ein paar Stege auf und ab, bis wir eine kleine Touristengruppe entdeckten, die gerade im Begriff war, eine steile Treppe in Richtung Altstadt zu erklimmen. Wir folgten ihnen unauffällig. Man weiß ja nie, vielleicht kannten sie sich ja aus und konnten uns zu ein paar Sehenswürdigkeiten führen… Wir landeten auf einer Aussichtsplattform mit einem herrlichen Blick über die Klippen und das Meer. Nur die Hafeneinfahrt konnte man von da aus nicht sehen. Sie wurde von einem rieseigen Felsen verdeckt. Wir schlenderten durch ein paar enge Gässchen den Berg wieder hinunter und landeten wieder am Hafen. Wir bummelten noch ein wenig an Geschäften und Restaurants vorbei und warfen einen Blick auf die Touristenattraktion Nummer eins in Soller: die kleine Bummelbahn. Sie hielt gerade und wartete auf Fahrgäste. Ihr Fahrplan kann nicht besonders hektisch gewesen sein, da es sich ein süßes, weißes Kätzchen vor den Gleisen bequem gemacht hatte und sich sogar streicheln ließ.

Wir gingen zurück zum Parkhaus und stellten mit Freuden fest, daß man hier extrem günstig parken kann. Der Parkautomat verlangte nur einen Euro! In Deutschland undenkbar.
Bevor wir uns auf den Rückweg machten, kurvten wir noch ein bißchen mit dem Auto durch den Ort. Die ganze Stadt kam mir extrem französisch angehaucht vor. Man erklärte mir später, daß das daran liegt, daß die Bewohner des Ortes sich früher, bevor es den Tunnel gab eher in Richtung Frankreich orientiert hätten. Sie trieben mit den Franzosen, die mit großen Schiffen übers Meer kamen, regen Handel. Was viel leichter war, als die Waren mühselig über den Berg zu schleppen.

Zurück nahmen wir den Tunnel, nur um auch mal durchgefahren zu sein. Einmal reicht aber auch. Der kostet nämlich Geld! Unverschämte 4,50 Euro!

Abschließend lässt sich sagen, dass sich ein Ausflug nach Port de Sóller auf jeden Fall lohnt. Ebenso wie eine Spazierfahrt über den Puig de sa Mola. Den Tunnel empfehle ich nur, wenn man es mal eilig hat. Aber wann hat man es im Urlaub schon eilig?!

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Löwenburg

An einem sonnigen Frühlingsmorgen Ende März 2011 machte ich mit meinem Mann und meiner Mutter eine Wanderung auf die 455 Meter hohe Löwenburg, den zweithöchsten Berg im Siebengebirge. Unser Ziel war die 800 Jahre alte Burgruine, ebenfalls Löwenburg genannt. Wir fuhren mit dem Auto bis Ittenbach, im „Volksmund“ auch liebevoll „Ittenbeachmountains“ genannt und stellten den Wagen auf einem Parkplatz am Fuß des Berges ab.
Ein freundlicher Parkwächter, der schon zu so früher Stunde parat stand, knöpfte uns 1,50 Euro ab, von denen sich der Verschönerungsverein finanziert, der die Gegend um die Burg und den Berg für die Wanderer in Ordnung hält.

Den Rucksack voll mit Proviant, den wir uns gemütlich auf der Burgruine genehmigen wollten machten wir uns auf den Weg. So früh am Morgen war noch relativ wenig los. Trotzdem war ich erstaunt, wie viele Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer um die Uhrzeit an einem Sonntagmorgen schon unterwegs waren. Dabei waren wir extra früh losgefahren, um den Berg möglichst für uns alleine zu haben. Die Löwenburg scheint nach wie vor und seit eh und je ein beliebtes Ausflugsziel zu sein.
Ich war untrainiert und stellenweise war der Aufstieg ziemlich steil, aber zu schaffen. Selbst für meine alte Dame. Nur mein Mann stiefelte unbeeindruckt von der Steigung vorneweg und ermahnte uns des öfteren: „Weniger quatschen und aufs Laufen konzentrieren.“ Jetzt weiß ich auch, was mein Mann unter Wandern versteht. Der Weg ist nicht das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel und da darf dann erst gequatscht werden. Gar nicht so einfach, sich daran zu halten als Mädel… aber irgendwann verging mir die Lust aufs Quatschen. Das letzte Stück Weg hat mich dann doch etwas gefordert und ich musste mich aufs Atmen konzentrieren. Das Alter, was soll man machen! Etwas außer Atem hob ich den Kopf um zu sehen, wie hoch dieser Berg denn noch wäre und da war sie plötzlich, die Löwenburg.

Aufgang
Aufgang

Zwischen noch nicht belaubten Bäumen ragten die traurigen, aber immer noch imposanten Reste der alten Burgmauern in den Himmel. Ich liebe alte Gemäuer und komme immer wieder ins Staunen und Träumen. Vor allem, wenn ich weiß, daß die Grundmauern dieser alten Trutzburg schon seit 800 langen Jahren Wind und Wetter und diversen Bombenangriffen getrotzt haben. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie lange es gedauert haben mag, diese vielen Steine den Berg rauf zu schleppen und daraus dann auch noch so eine gigantische Burg zu bauen!
Ich erreichte die Außenmauer und entdeckte gleich die kleine Öffnung. Sofort galoppierte meine Fantasie mit mir davon. Was mag das mal gewesen sein? Vielleicht der „Dienstboteneingang“? Vor meinem geistigen Auge sah ich junge Mägde, schwer beladen mit Körben voll Obst und Gemüse, die diesen Eingang benutzt haben mögen, um ihre Last in der Küche abzuliefern.

Wenige Schritte weiter passierten wir die Reste des äußeren und inneren Burgtores. Auf der rechten Seite des inneren Tores hing eine Bronzetafel, die den Besucher über Alter und Werdegang der Burg informiert. Auf der linken Seite warnte das Forstamt, daß das Betreten der Ruine auf eigene Gefahr geschieht und daß das Klettern auf dem alten Gemäuer verboten ist. … Spielverderber! Die breiten Mauern, die stellenweise kaum höher, als bis zu meiner Hüfte reichten ( und ich bin recht klein ), animierten doch geradezu, um darauf herumzuklettern! Menno!! Ich sah mich unauffällig auf dem Gelände um, ob ich vielleicht irgendwo einen Aufpasser entdecken würde aber bis auf einen jungen Mann, der am Ende der Ruine auf der Mauer saß und die Aussicht genoß, konnte ich niemanden entdecken. Na, also! Wo kein Kläger, da kein Richter. Wer will mir hier verbieten, Mensch zu sein!?
Ich überlegte, wo ich zuerst auf Entdeckungstour gehen sollte und wendete mich nach rechts um die Holztreppe zu erklimmen, die zu dem höher gelegenen Teil der Burg führte und noch die Grundrisse der alten Räumlichkeiten erahnen ließ.
Da, wo wahrscheinlich einst die Gräfliche Witwe Mechthild von Sayn im 13. Jahrhundert ihre Gemächer hatte, saßen an diesem Morgen zwei Senioren auf einer Holzbank im Schatten eines mächtigen Baumes, genossen die atemberaubende Aussicht über das Rheintal und philosophierten über alltägliche Probleme. Zu ihren Füßen lag ein erschöpfter Hund, ebenfalls im Rentenalter und erholte sich von dem anstrengenden Aufstieg, während sein Herrchen sich über seine Krankenversicherung echauffierte.
Hier traf ich auch meinen Mann wieder, der schon sehnsüchtig auf mich wartete. Ich trug nämlich den Rucksack mit unserem Frühstück. Gedankenverloren kaute ich auf meiner Stulle herum, während ich versuchte, aus den Grundrissen schlau zu werden. Es hingen zwar überall Tafeln herum, auf denen Abbildungen gezeigt wurden, wie die Burg mal ausgesehen haben könnte, aber diese winzigen Quadrate am Boden konnten doch unmöglich mal ganze Räume gewesen sein! So groß und mächtig die Masse der Außenmauern auch waren, bei den Innenräumen wurde kräftig an Quadratmetern gespart. Ich ging um die Reste des großen Turmes herum, der den höchsten Punkt der Burg darstellte und staunte über die wahnsinnig dicken Mauern. So dick wie die Turmmauern waren, so breit ist heute so manches Kinderzimmer. Leider bin ich zu klein, um von der niedrigsten Stelle der Turmmauer aus bis auf den Boden zu gucken und ich wollte unbedingt wissen, wie groß denn so ein mittelalterlicher Turm von innen ist. Also verstieß ich gegen das Verbot und zog mich an der Mauer hoch. Ganz vorsichtig natürlich, um ja nichts kaputt zu machen. Ich weiß nicht, wieso und warum, aber sobald ich mehrere hundert Jahre alte Gemäuer betrete, ergreift mich immer diese Ehrfurcht, denn da wo heute Gras und Bäume wachsen, haben mal Menschen gelebt, gearbeitet und gekämpft. Wie viele Tragödien und freudige Ereignisse haben sich hier in den letzen 800 Jahren ereignet, von denen heute niemand mehr etwas weiß? Was ist alles in diesem Turm passiert, der zeitweise sogar als Gefängnis genutzt wurde? Die armen Gefangenen hatten jedenfalls nicht viel Platz, denn die Mauern waren auch hier breiter, als der Raum, den sie umschlossen. Wie oft mussten da Kanonenkugeln und später Bomben und Granaten eingeschlagen haben, bis die mächtigen Mauern nachgaben?

Die Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts ließen die stolze Löwenburg zur Ruine werden aber erst Ende des 19. Jahrhunderts hat man die Gemäuer wegen Baufälligkeit abgetragen. Bis auf die traurigen letzen Reste, die wir heute bewundern dürfen. Irgendwie bin ich unzufrieden. Ich hab so viele Fragen und die paar Tafeln befriedigen nicht im Geringsten meine Neugier. Auch im Internet ist später nicht viel mehr zu erfahren.
Beim Abstieg bin ich nachdenklich und fast traurig. Erst jetzt, wo es bergab geht, nehme ich mir die Zeit mal links und rechts zu gucken und mir fallen die vielen, vielen großen Steinbrocken auf, die überall verstreut herumliegen. Sie sind dick mit Moos bewachsen und zum Teil halb in der Erde versunken. Sie wurden beim Abriss achtlos den Berg hinuntergeworfen und wittern jetzt vor sich hin. Warum hat man die Burg nicht erhalten? Wie kann man so etwas nur kaputt machen, was unserer Vorfahren mühsam mit eigener Hände Arbeit ohne die Hilfe von schweren Maschinen jahrelang aufgebaut haben?! Sind wir so arm, daß wir die alten Zeugen unserer Vergangenheit, unser Erbe nicht erhalten können?

Das ist so unendlich schade.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Saudi – Arabien zu Beginn der 80-er Jahre

Meine erste Erinnerung an Saudi – Arabien ist diese dicke, feucht-warme Wand aus Luft, gegen die ich lief, als ich mit meiner Familie damals nachts aus dem Flugzeug gestiegen bin. Begrüßt wurde ich von einem jungen Saudi vom Bodenpersonal mit den Worten:
„Hey, Baby!“, was mich als Fünfjährige sofort auf die Palme brachte und ich mich genötigt sah, dem frechen, jungen Mann dahingehend zu informieren, daß ich schon lange kein Baby mehr sei.

Erbost und erhobenen Hauptes umklammerte ich mein kleines, geblümtes Köfferchen in dem sich alle meine Lieblingsspielsachen befanden und folgte meinen Eltern ins Flughafengebäude. Als sich die Türen hinter uns schlossen, wechselte die Temperatur wieder schlagartig in eine angenehme Kühle und mein erster Blick fiel auf ein Paar unglaublich schmutzige, verhornte und rissige Fußsohlen. Sie gehörten einem Araber, der mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden saß, an der Wand lehnte und schlief. Als ich mich umsah, bemerkte ich noch mehr Männer und von oben bis unten schwarz verhüllte Gestalten, die es sich auf dem harten Fußboden bequem gemacht hatten und anscheinend auf irgendetwas oder jemanden warteten. Die Männer trugen alle, wie es mir schien, weiße Nachthemden und niemand trug festes Schuhwerk. Alle hatten sie Flip-Flops, Sandalen oder anders geartete Latschen an und fast jeder hatte ungepflegte, schmutzige Füße.
Meine Mutter wickelte sich den Riemen ihrer Handtasche um Brust und Hals und nahm meine kleine Schwester und mich links und rechts an die Hand, nachdem sie bemerkt hatte, daß ihre blonden Töchter sämtliche Blicke auf sich zogen. Wir glitten geschmeidig, dank der Diplomatenpässe meiner Eltern durch sämtliche Kontrollen und verließen das Flughafengebäude mit vollständigem Gepäck auf der Suche nach einem Taxi, das uns zu unserem Hotel bringen sollte. Auf dem Weg erwehrte ich mich in dem Gedränge mehrerer großer, dunkler Hände, die alle meinen blonden und den noch viel helleren Haarschopf meiner kleinen Schwester berühren wollten. Wie wir später erfuhren, bringt das Berühren blonder Haare wohl Glück und so bewegte ich mich die folgenden drei Jahre unseres Aufenthalts in der Öffentlichkeit auf einem ständigen Zick-Zack-Kurs, um den grapschenden Händen, die es auf meine sorgfältig gekämmte Haarpracht abgesehen hatten, auszuweichen.
Damals befand sich die Deutsche Botschaft noch in Djiddah und alle Staatsdiener wohnten in einem mit hohen Mauern umringten Compound. Es gab nur ein Tor und alle Häuser waren im Kreis um einen kleinen Pool angeordnet, der mir als Kind allerdings riesig und tief vorkam. Außerdem gab es eine Tischtennisplatte aus Beton ohne Netz und einen kleinen Spielplatz, dessen Sandkasten die streunenden Katzen gerne als Toilette benutzten. Das war es dann auch schon an Attraktionen, die einem so geboten wurden.
Die Woche begann am Samstag und Donnerstag und Freitag war Wochenende. Zweimal im Jahr fiel für ein paar Minuten warmer Regen vom Himmel und fünf Mal am Tag erscholl von der nahen Moschee der Aufruf zum Gebet zu uns herüber. Während die Männer bei der Arbeit waren, langweilten sich die Frauen zu Hause, da es ihnen nicht erlaubt war Auto oder Fahrrad zu fahren. Außerdem war es sowieso viel zu gefährlich unverschleiert alleine den Compound zu verlassen. Wollten die Frauen zum Einkaufen auf den Markt fahren, mussten sie warten, bis die Männer zurück kamen, oder bei der Botschaft einen Fahrer ordern, was aber nur selten genehmigt wurde. Wir Kinder wurden jeden Tag mit dem Bus zur Schule bzw. in den Kindergarten gefahren, die sich ebenfalls auf einem hoch eingemauerten Grundstück befand.
Kontakte zu arabischen Kindern kamen nie zustande und waren von arabischer Seite wohl auch nicht unbedingt erwünscht.
An den Wochenenden entflohen wir mit mehreren Familien aus der Enge des Compounds um nach ein paar Stunden Fahrt durch die glühende Wüste am Roten Meer zu entspannen.
Die Tage an dem einsamen Strand haben mir immer gut gefallen. Da Saudi – Arabien zu der Zeit kaum jemanden ins Land gelassen hat und „ungläubige“ Touristen schon mal gar nicht, hatten wir den Strand immer ganz für uns alleine. Unser bevorzugter Strandabschnitt war zu einer Seite durch hohe Felsen geschützt, auf denen wir gerne herum geklettert sind und das Meer war an dieser Stelle sehr lange, sehr seicht. Mir kam es vor, wie 100 Meter, bis das Korallenriff endlich senkrecht in der Tiefe verschwand. An diesem unberührten Strand übten wir Schnorcheln. Wir sammelten Muscheln, ekelten uns vor Seegurken und lernten, die Fingerchen nicht in den weit geöffneten Rachen der vielen Mördermuscheln zu stecken. An keinem anderen Riff der Welt habe ich bisher so viele schöne, bunte und vor allem gesunde Korallen bestaunen dürfen. Alle Arten von farbenfrohen Fischen tummelten sich zwischen den Korallen und Seeanemonen und einmal schwamm sogar ganz gemächlich ein Rochen an mir vorbei.
Gelegentlich bekamen wir Besuch von einem Fischer, der uns Sardinen verkaufte und Nachts, wenn wir gemütlich am Lagerfeuer saßen und Marshmallows grillten, kam regelmäßig eine Polizeistreife vorbei, vor der die Erwachsenen schleunigst ihren heimlich mitgebrachten Alkohol verstecken mussten.
Alkohol ist streng verboten, unverschleierte Frauen, die in kurzen Röcken oder sogar Hosen herumlaufen, werden abfällig betrachtet oder auch gerne mal sexuell belästigt. Kleine Mädchen, gerade erst „geschlüpft“ werden mit Goldarmreifen behangen und haben sogar Ohrlöcher für goldene Ohrstecker. Sie werden wie Prinzessinnen herausgeputzt und in übertriebene Rüschenkleidchen gesteckt, um sie, kaum dass sie 12 Jahre alt sind komplett zu verschleiern und sie so bald wie möglich zu verheiraten.
Während den Frauen und Mädchen systematisch jeglicher Spaß verboten wurde, durften die Jungs, auch nicht älter als 12, die Gegend mit Daddy´s schwerem Jeep unsicher machen. Das fand ich damals als Kind schon extrem ungerecht. Aber wozu gibt es denn die Wüste, die so schön menschenleer ist? Hier durfte ich als Drei-Käse-Hoch auf Papa ´s Schoß nach Herzenslust die Familienkutsche kreuz und quer durch die Gegend lenken. Wo kein Kläger, da kein Richter.
Da es für Europäer, was die Freizeitgestaltung angeht, in einem arabischen Land schnell langweilig werden kann, weil Kampftrinken, in Extase tanzen und feiern, bis daß der Arzt kommt, schlichtweg verboten ist, wurden die wilden Partys kurzerhand hinter den schützenden Mauern unseres Compounds gefeiert. Der Alkohol floss in Strömen und längst vergessene Schlagerbarden konkurrierten an Lautstärke mit dem Muezzin. Natürlich blieb das nicht unbemerkt. Da wir uns aber in unserem kleinen Reich auf deutschem Boden befanden und der deutsche Diplomat damals noch Immunität genoss, ließ man die Ungläubigen ungestört feiern und nicht selten meinte ich auf solchen Partys, wo ich eigentlich schon längst in der Falle hätte liegen sollen, den ein oder anderen arabischen Botschaftsangestellten mit einem Longdrink in der Hand und einem seligen Lächeln auf den Lippen gesichtet zu haben.
Das alles ist jetzt gut 35 Jahre her. Da die Uhren in der arabischen Welt ja bekannter Maßen ganz anders ticken, nicht umsonst hinken sie in ihrer Zeitrechnung ca. 400 Jahre hinterher, würde es mich interessieren, ob sich seit damals viel verändert hat. Aber ich fürchte, ohne Diplomatenpass und Bodyguard gestaltet sich ein Besuch heute wohl eher schwierig.

Text: Nadja von der Hocht