Kaum ein paar Monate auf der Insel und schon wurde ich von meinem Lieblingsreitstall „Rancho Bonanza“ in Cala Ratjada eingeladen, bei Sant Antoni mit zureiten! Natürlich wollte ich da mitmachen! Bei Sant Antoni werden jedes Jahr um die gleiche Zeit im Januar die Haus- und Nutztiere vom zuständigen Priester gesegnet.

In einer langen Prozession ziehen die Leute mit ihren Tieren, Reiter und Kutschfahrer an der Kirche vorbei und holen sich gegen ein paar Münzen ihren Segen ab. Die ganze Stadt ist auf den Beinen um bei der Feier dabei zu sein und sich die Prozession anzusehen. Die Tiere, egal ob Pferde, Esel, Hunde oder ganz kleine Haustiere wie Hamster oder Vögelchen werden liebevoll herausgeputzt und stolz vorgeführt. Natürlich will man als Reiter auch eine gute Figur machen. Mit einem schneeweißen Oberteil und einem roten Halstuch ist die „Sant-Amtoni-Uniform“ fertig. Man will sich ja dazugehörig fühlen, denn an diesem Tag tragen alle weiße T-Shirts oder andere weiße Sachen und ein rotes Halstuch.

 

   

 

Früh am Morgen fanden wir uns am Reitstall ein, denn die Pferde mussten ja noch vorbereitet werden, was sich an diesem zuerst verregneten Morgen recht schwierig gestaltete, weil sich ausgerechnet meine zugeteilte, eigentlich weiße Stute in der Nacht ausgiebig im Schlamm gewälzt hatte. Sie war klatschnass und komplett verdreckt. Ich gab mein Bestes sie sauber zu kriegen aber es war vergeblich. Also arbeitete ich den Schmodder schön in ihr weißes Fell ein und tarnte sie kurzerhand als Apfelschimmel. Dafür bekam sie einen hübschen Zopf in den Schweif geflochten und rote Bandagen, wie alle anderen. Jetzt noch satteln und auftrensen und dann ritt die ganze Truppe, bestehend aus gut gelaunten Erwachsenen und noch mehr pferdebegeisterten Kindern, schön gesittet der Reihe nach zum Treffpunkt am Marktplatz von Cala Ratjada. Dort entstand ein kleiner Stau, bis man sich in den Umzug mit einreihen konnte. Jetzt hieß es, aufrecht halten und immer lächeln, egal wie sehr das Pferd auch tänzelte, weil es sich vor zu lauter Trompetenmusik oder kläffenden Hunden erschreckte oder von anderen Pferden belästigt fühlte.

Und davon gab es jede Menge. Alle Reiter der Umgebung führten stolz ihre Reittiere vor. Manche zogen hübsch geschmückte Kutschen beladen mit jauchzenden Kindern durch die mit Zuschauern voll gestopften, engen Straßen.

Es gab sogar ein winziges Pony dass eine ebenso winzige Kutsche hinter sich herzog.

Nachdem sich unsere Gruppe im Kollektiv den Sant-Antoni-Segen abgeholt hatte, drehten wir mit Pauken und Trompeten noch ca. drei kleine Runden „um den Block“ am Pinienplatz vorbei und nach und nach löste sich der Umzug wieder auf. Auch wir machten uns so langsam wieder auf den Weg in Richtung Stall.

 

       

 

Nachdem die meisten Pferde versorgt waren und alle ihr wohl verdientes Leckerchen bekommen hatten, war der Tag aber noch lange nicht zu Ende.

Denn es standen noch Reiterspiele und Grillen auf dem Programm. Die jüngeren Pferdefans wollten da natürlich alle mitmachen. Auf einem großen Platz versammelten sich nach und nach noch viele Reiter und Pferdefreunde, um gemeinsam bei einem gut durchgerösteten Würstchen und einem Gläschen Wein zusammen zu sitzen. Für die Reiter, die noch immer nicht genug hatten, wurde ein Slalomparkour aufgebaut welcher mit viel Enthusiasmus abgeritten wurde. Die ganz Kleinen wurden unter lauten Anfeuerungsrufen geführt, so dass am Ende die Betreuer es waren, die sich am sportlichsten betätigt hatten.

Ältere Teilnehmer fegten im gestreckten Galopp unter Jubel und Beifall der Schaulustigen über den Parkour. Jeder wollte die zuvor aufgestellte Zeit des Vormannes unterbieten.

An diesem Tag wurde viel gelacht, gejubelt, gegessen, getrunken und gescherzt.

Es hat viel Spaß gemacht, ich habe viele nette Leute kennen gelernt und, was mich sehr freut, nicht bloß Deutsche. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

Text: Nadja von der Hocht

Foto: Wolfgang von der Hocht