Im Nordwesten der Insel Mallorca erstreckt sich eine lange Bergkette, auf deren Gipfeln sogar im Winter manchmal Schnee liegt.
Wir hatten Lust auf eine kleine Spazierfahrt ins Gebirge und wollten uns den auf der anderen Seite des 156,83 Meter hohen Berges Puig de sa Mola gelegenen Hafen-Ort Port de Sóller ansehen. Da sollen ja so viele schöne Jachten vor Anker liegen. Seit 2007 führt ein 1329 Meter langer Tunnel durch den Berg und verkürzt die Fahrt rapide.

 

Aber das war ja nicht der Sinn der Sache. Wir wollten ja was sehen von der Landschaft und bogen so vor dem Tunnel rechts ab um die Serpentinen über den Berg zu nehmen. Wir schraubten uns die kurvige Straße den Berg hinauf und ich hätte an jeder Ecke anhalten und Fotos knipsen können. Die Aussicht wurde immer toller, je höher man kam.

Alle paar Höhenmeter entdeckten wir das ein oder andere versteckte Häuschen, das sich an die steilen Hänge schmiegte. Ganz schön mutig, da zu bauen und zu wohnen. Das fanden die Besitzer anscheinend auch. Denn vor fast jedem Tor hing ein Schild : „Se Vende“.


An der höchsten der Stelle der Straße hielten wir kurz an einem kleinen Rastplatz an um die Aussicht zu genießen und ein paar Fotos zu schießen. Dann ging es auf der anderen Seite den Berg wieder runter. Die Straße kam wieder genau neben dem Tunnel aus. Wir fuhren nach Port du Soller rein und fanden ein Parkhaus, in das wir unser Auto abstellten. Von da aus ging es im Schlender-Modus in Richtung Hafen. Es war sehr schönes Wetter und obwohl die Saison schon vorbei war, waren die Cafés und Restaurants alle noch gut besucht.

 

 

Wir spazierten ein Stück den Strand entlang bis wir zum Hafen kamen, in dem sich Reling an Reling die Jachten drängelten. Eine teurer und größer als die andere. Doch bevor wir in den Genuß kamen, ein wenig von Hochseefahrten auf teuren Jachten, die einem nie gehören werden, zu fantasieren, stolperten wir zuerst über einen 4-Meter-Hai, der tot in der Sonne lag. Ich war so von den Jachten fasziniert, daß ich den Hai erst nicht gesehen habe und beinahe über ihn drüber gefallen wäre. Wer achtet auch schon beim Schlendern auf ´nem Quai auf Haie! Ich betrachtete das Ungetüm genauer und irgendwie kam mir der Fisch spanisch vor … Er hatte eine bräunlich Hautfarbe und er hatte keine Rückenflosse, da wo bei einem Hai eigentlich eine hingehört. Aber das Tier war eindeutig ein Hai. So was hatte ich auch noch nie gesehen. Spätere Recherchen ergaben, daß es sich bei diesem Exemplar um einen Sechskiemenhai handelte. Die Rückenflosse, die ich so vermisste, ist bei dieser Haiart ganz klein und sitzt weit hinten nahe der Schwanzflosse. Ganz schön fiese Tarnung! Wie soll man denn als Schwimmer wissen, ob man gleich gefressen wird, wenn er seine Flosse versteckt und sich nicht als Hai zu erkennen gibt!
Einige wenige Schaulustige standen um den Fisch herum, der bereits als Futter für die ersten Insekten diente. Ansonsten war kaum jemand sonderlich an dem komischen Hai interessiert. Selbst die drei Polizisten, die später dazu kamen, rauchten sich erst mal eine Zigarette, bevor sie entschieden, daß sie für Fische nicht zuständig sind und wieder von dannen zogen.

Wir gingen auch weiter und schlenderten ein paar Stege auf und ab, bis wir eine kleine Touristengruppe entdeckten, die gerade im Begriff war, eine steile Treppe in Richtung Altstadt zu erklimmen. Wir folgten ihnen unauffällig. Man weiß ja nie, vielleicht kannten sie sich ja aus und konnten uns zu ein paar Sehenswürdigkeiten führen... Wir landeten auf einer Aussichtsplattform mit einem herrlichen Blick über die Klippen und das Meer. Nur die Hafeneinfahrt konnte man von da aus nicht sehen. Sie wurde von einem rieseigen Felsen verdeckt. Wir schlenderten durch ein paar enge Gässchen den Berg wieder hinunter und landeten wieder am Hafen. Wir bummelten noch ein wenig an Geschäften und Restaurants vorbei und warfen einen Blick auf die Touristenattraktion Nummer eins in Soller: die kleine Bummelbahn. Sie hielt gerade und wartete auf Fahrgäste. Ihr Fahrplan kann nicht besonders hektisch gewesen sein, da es sich ein süßes, weißes Kätzchen vor den Gleisen bequem gemacht hatte und sich sogar streicheln ließ.


Wir gingen zurück zum Parkhaus und stellten mit Freuden fest, daß man hier extrem günstig parken kann. Der Parkautomat verlangte nur einen Euro! In Deutschland undenkbar.
Bevor wir uns auf den Rückweg machten, kurvten wir noch ein bißchen mit dem Auto durch den Ort. Die ganze Stadt kam mir extrem französisch angehaucht vor. Man erklärte mir später, daß das daran liegt, daß die Bewohner des Ortes sich früher, bevor es den Tunnel gab eher in Richtung Frankreich orientiert hätten. Sie trieben mit den Franzosen, die mit großen Schiffen übers Meer kamen, regen Handel. Was viel leichter war, als die Waren mühselig über den Berg zu schleppen.

Zurück nahmen wir den Tunnel, nur um auch mal durchgefahren zu sein. Einmal reicht aber auch. Der kostet nämlich Geld! Unverschämte 4,50 Euro!

Abschließend lässt sich sagen, dass sich ein Ausflug nach Port de Sóller auf jeden Fall lohnt. Ebenso wie eine Spazierfahrt über den Puig de sa Mola. Den Tunnel empfehle ich nur, wenn man es mal eilig hat. Aber wann hat man es im Urlaub schon eilig?!

Text: Nadja von der Hocht