Kathedrale von Palma

Nähert man sich der spanischen Baleareninsel Mallorca per Fähre vom Wasser her aus, ist sie die Erste, die den Besucher schon von weitem begrüßt: die beinahe achthundert Jahre alte Kathedrale der Heiligen Maria. Sie dominiert die Altstadt der Haupt- und Hafenstadt Palma de Mallorca und ist die Bischofskirche des Bistums Mallorca. Die Einheimischen nennen ihre Kathedrale schlicht „La Seu“, was so viel wie „der Bischofssitz“ bedeutet.
An der Kathedrale wurde jahrhundertelang gebaut. Den Anfang machte der Eroberer König Jaume I., der mit dem Bau der Kathedrale im Jahr 1230 begann. Die Grundsteinlegung erfolgte auf dem Platz einer islamischen Moschee, die zu diesem Zwecke weichen musste. Denn der neue Machthaber auch bekannt als Jakob I. der Eroberer, König von Aragón, König von Valencia, Graf von Barcelona (Katalonien), Graf von Urgel und Herr von Montpellier aus dem Haus Barcelona konnte seiner Anrede nun einen weiteren Titel hinzufügen: König von Mallorca. Schließlich hatte er doch gerade erst die Mauren erfolgreich von der Insel herunter komplimentiert und nun selbst die Herrschaft über das oft und viel umkämpfte Eiland übernommen.
Sein Sohn Jaume II. begann mit dem Bau der eigentlichen Kathedrale von der Hauptbasis her ab dem Jahr 1306, die nun auch als Mausoleum für das mallorquinische Königshaus dienen sollte. König Jaume II. selbst und Jaume III. sind hier begraben. König Jaume I. ist hier nicht zu finden. Seine sterblichen Überreste ruhen in der katalanischen Zisternen-Abtei Monestir de Santa Maria de Poblet in der Provinz Tarragona auf dem spanischen Festland.

Das Kirchenschiff wurde 1587 vollendet, während das Hauptportal endlich 1601 geweiht wurde. 1852 begannen dann die Arbeiten an der Hauptfassade, die schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts beendet wurden.
Das Gebäude ist nun 109,5 Meter lang und 33 Meter breit. Das Hauptschiff hat eine Länge von 75,5 Metern, ist 19,5 Meter breit und 44 Meter hoch. Die beiden Seitenschiffe messen eine Länge von jeweils 86 Metern, eine Breite von 10 Metern und sind 30 Meter hoch.
Das Gewölbe ruht auf vierzehn 30 Meter hohen Pfeilern.
Der Altarraum mit dem Chor wird hier auch gerne „Königskapelle“ genannt und misst 34 x 16 Meter. Obwohl die Kathedrale nicht mit „richtigen“ Türmen dienen kann, wie man sie sonst von Kirchen gewohnt ist, gehört das Gebäude dennoch zu den wichtigsten Bauwerken, die im gotischen Stil errichtet wurden.
Im Erdgeschoß des Glockenturms und in zwei Kapitelsälen ist seit 1932 das Museum der Kathedrale untergebracht. Hier findet man auch das Grab des Gegenpapstes Clemens VIII., der auch ab 1429 als Bischof von Palma amtierte.
Das Geläut mit seinen neun Glocken aus fünf Jahrhunderten nimmt unter den europäischen Bischofskirchen eine herausragende Stellung ein. Vier der Glocken stammen noch aus dem Jahr 1312! Zwei weitere mussten 1642 und 1991 neu gegossen werden. Die große Glocke mit 2 Metern im Durchmesser ist ca. 4.600 Kilo schwer und trägt den Namen „N´Aloi“. Sie wird nur zu sehr festlichen Anlässen geläutet. N´Aloi gehört zu den größten Glocken des Landes und ist außerdem die größte beweglich geläutete Glocke Spaniens.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

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