Santuari de Sant Salvador

„Santuari“ oder „Santuario“ aber auch „Eremita de San Salvador“ (je nachdem welcher Sprache man sich bedient) ist der Name des ehemaligen Klosters, das auf dem gleichnamigen Berg, dem „Puig des Sant Savador“ auf dem Gipfelplateau in 509Metern Höhe über den Südosten der Insel Mallorca wacht.
Das ehemalige Kloster erhebt sich am Rande des Tafelplateaus. Seine Ursprünge sollen bis in das Jahr 1348 zurück reichen, als der erste Eremit Romeo de Burguera dort in einer Höhle, der Sa cova de´Ermità, gehaust haben soll. Nachdem die Pest auf Mallorca gewütet hatte und etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung und gut die Hälfte der Einwohner von Felanitx hinweg rafft hatte, ersuchte man bei König Pere IV. von Aragón, dem der Berg gehörte, um dort zum Dank, daß die übrigen Einwohner überlebt hatten, um die Genehmigung für den Bau einer Kapelle. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Kapelle und die Einsiedelei zu einem Wallfahrtsort und von 1707 bis 1734 wurde dann die heutige Kirche erbaut. Die gesamte Anlage gleicht einer Festung, da sie bei Gefahr auch die Funktion eines Fluchtortes für die nahe Bevölkerung inne hatte.

Die alte Kirche des Klosters beherbergt verschiedene Kunstwerke sowie sehenswerte Altäre aus den verschiedensten Epochen. Besucht man die Kirche am Morgen im Februar und Oktober kann man Zeuge eines Lichtphänomens werden, wenn die niedrig stehende aufgehende Sonne ihre Strahlen durch eines der Rosettenfenster schickt und damit die Marienstatue in der Kirche für einige Minuten in ein mystisches Licht taucht. Sehr einfallsreich gestaltet sind auch die drei Krippenszenen im Eingangsbereich, in denen man Jesus, Maria und Josef sowie die heiligen drei Könige in einer mit echten Bruchstücken von Stalaktiten und Stalagmiten nachgebauten Tropfsteinhöhle platziert hat.

Von 1824 bis 1851 lebten noch drei Eremiten in der Klosterherberge, die allerdings die dauerhafte Besiedelung wegen zu harter Lebensbedingungen aufgaben. Seither wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer und wurde für verschiedene religiöse Zwecke aber auch für sportliche Veranstaltungen genutzt. Die Herberge diente sogar zeitweise den städtischen Schulen von Felanitx als Internat. Seit 1992 wird die Herberge von zwei mallorquinischen Familien verwaltet, die dort ein Restaurant betreiben und Zimmer vermieten. Das Gebäude, sowie Grund und Boden gehören allerdings der Diözese von Mallorca.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Cristo Rei Monument

Das Cristo Rei Monument befindet sich auf dem südlich gelegenen Teil des Gipfelplateaus des Puig de Sant Salvador, im Südosten der Mittelmeerinsel Mallorca. Die sieben Meter hohe Christusstatue aus geschwärzter Bronze steht auf einem 30 Meter hohen Turm, dessen quadratischer Betonsockel an der Basis eine Seitenlänge von 8×8 Metern hat.

Die Grundsteinlegung des Monuments des Christus Pantokrator fand im Jahre 1928 statt und seine vollständige Errichtung dauerte wegen finanzieller Probleme bis 1934. Die Statue soll entweder von dem mallorquinischen Bildhauer Francesc Salvà Pizà oder seinem Kollegen Tomàs Vila Mayol geschaffen worden sein. Man ist sich da nicht mehr ganz so sicher…
Auf der Brust der Christusstatue prangt das Herz Jesu, auf Spanisch: „Sagrado Corazón de Jesús“, weshalb das Cristo Rei Monument auch gerne „Monumento al Sagrado Corazón“ (Monument des Heiligen Herzens) genannt wird.

„Regem cui omnia vivunt, venite adoremus“
„Regem cui omnia vivunt, venite adoremus“

Der Turm des Monumentes ist auf zwei Seiten mit Inschriften versehen. Auf der nach Osten gelegenen Seite steht: „Regem cui omnia vivunt, venite adoremus“, was soviel heißt wie: „Den König unter dem alles lebt, lasst uns anbeten“.

„Jesum Christum, Regem Regum, venite adoremus“
„Jesum Christum, Regem Regum, venite adoremus“

Auf der anderen Seite kann man folgendes entziffern: „Jesum Christum, Regem Regum, venite adoremus“ – „Jesus Christus, den König der Könige, lasst uns anbeten“.
Mit diesen beiden Inschriften wird zum Stundengebet aus dem Totenoffizium eingeladen. Das ist eine besondere Form des Stundengebets in der römisch-katholischen Kirche, bei dem die liturgischen Texte und Gebete dem Gedenken der Verstorbenen dienen.
KuppelWenn man die kurze Treppe erklimmt, entdeckt man eine mit Heiligenbildern und religiösen Szenen bunt bemalte, kleine Kuppel über dem vergitterten Altar, der darunter platziert ist. Auf ihm findet man ebenfalls eine Inschrift: „Tu Rex Gloriae, Christe“, was man mit „Du bist der König der Herrlichkeit, Christus“ übersetzen kann.Altar
Auf halber Höhe des Monumentes ist das Wappen des Dr. José Miralles y Sbert, dem damaligen Bischof der Diözese Mallorca angebracht, der das Monument am 01. Juli 1934 einweihte.
Unter dem Sockel des Monumentes befindet sich eine nicht öffentlich zugängliche Kapelle zur Andacht und Meditation, die die sterblichen Überreste des Canónigo D. Mateo Alzamora enthält, der das Monument auf seine Kosten errichten ließ, sowie von fünf Eremiten aus dem Kloster.

Kapelle
Kapelle

Um diese kleine Kapelle kann man ganz herum gehen und die Aussicht von allen Seiten bis zum Meer genießen. Es führen sogar noch ein paar Stufen auf der Rückseite des Monumentes den Berg hinunter, wo man den „Abort“ entdeckt, der dort in die Mauer eingelassen ist. Zwei offene Türen locken den neugierigen Besucher, zu erkunden, was dahinter ist.

Kapelle mit Abort Untergeschoss
Kapelle mit Abort Untergeschoss

Der betörende Duft, der einem beim Näherkommen allerdings entgegenschlägt, lässt einen gleich erahnen, womit man es zu tun hat und man ist gleich bereit, auf einen genaueren Blick zu verzichten. Ein merkwürdiger Ort für den klostereigenen Lokus.

Mehrere verstreute Papierchen in den Büschen der näheren Umgebung zeugen davon, dass es niemals so dringend sein kann, um seine Notdurft in einem der Plumpsklos verrichten zu wollen, sondern nicht wenige Besucher lieber mit der freien Natur Vorlieb genommen haben.
Nicht besonders fromm, zu Füßen der Christus Statue und den dort beerdigten Mönchen auf diese Weise in die Knie zu gehen…

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Ein Spaziergang zum Faro de Formentor

Anfang März auf des Deutschen liebster Urlaubsinsel. Das Wetter wird schon wieder wärmer, es gibt öfters ein paar sonnige Tage, aber für Badeurlaub ist es noch zu kalt. Dafür begegnet man schon den ersten Inselfreunden, die sich mit dem Mietauto die Insel ansehen, die Radsportler sind auch schon da und auch wir haben uns heute spontan für einen längeren Ausflug zum Cap Formentor entschieden. Wir wollten herausfinden, wie nah man an das Cap herankommt, denn seit 2018 ist das letzte Stück Weg bis zum Leuchtturm für PKWs wegen Überfüllung und zu viel Chaos auf den engen Bergpässen gesperrt und man gelangt nur noch mit einem Shuttlebus dorthin, der die Urlauber ein Stück weiter unten am letzten großen Parkplatz einsammelt.
Ein Ausflug in die Berge ist an trockenen Tagen in den Wintermonaten am schönsten, weil man da die Straßen fast ganz für sich hat … es sei denn, es ist ein Feiertag. Dann tummeln sich selbst an den abgelegensten Grillplätzen die Einheimischen mit der ganzen Familie.
Wir starteten von Capdepera aus und gingen bei dem Wetter ein bißchen auf Risiko, denn zwischen Artà und Can Picafort fuhr doch noch eine ziemlich dunkle Wolke mit, die sich zwischendurch ein wenig abregnete. Aber bis zum östlichsten Ende der Insel war es noch ein Stück und bald drehte zum Glück der Wind und die dunklen Wolken änderten ihren Kurs in Richtung Palma. Wir ließen Port de Pollenca mit seiner langen Bucht, in der sich im Sommer die Kitesurfer tummeln, hinter uns und schraubten uns die Bergstraße hinauf. Es war nicht viel Verkehr und nur manchmal musste man eine Gruppe Radsportler oder vereinzelte Radfahrer überholen, die sich verbissen die Steigungen hinauf kämpften.

Wir fuhren zügig am großen Aussichtspunkt „Mirador Es Colomer“ vorbei. Hier wollten wir erst auf dem Rückweg anhalten. Außerdem war kein Parkplatz mehr frei. Dieser Platz bietet zu vielen Seiten eine grandiose Aussicht und hier tummelten sich auch heute die Ausflügler. Also schlängelten wir uns zielstrebig an den eng geparkten Autos vorbei und strebten weiter in Richtung Leuchtturm, der auf dem östlichen Ende und gleichzeitig auf dem nördlichsten Punkt der Baleareninsel 167 Meter über dem Meeresspiegel thront.
An dem Parkplatz (Parking Far de Formentor), an dem man im Sommer seinen Wagen stehen lassen muss, mogelten wir uns an der ersten, einseitigen Sperre vorbei. Am Parkplatz standen kaum Autos, das Kassenhäuschen war nicht besetzt und es kamen in regelmäßigen Abständen Autos den Berg wieder hinunter. Wenn die das durften, dann wir auch … wo kein Kläger, da kein Richter. Der Weg führte noch ein Stück durch ein kleines Wäldchen und dann begann der Abschnitt mit den schönen Aussichten, die man im Auto so selten genießen kann, wenn man von hinten gescheucht wird; und es gibt auf der engen Straße so selten Gelegenheit mal rechts ran zu fahren. Die wenigen, vereinzelten Parkbuchten sind garantiert schon belegt. So war es auch heute. Aber da allgemein wenig Verkehr war, konnte man es wagen, ab und zu mal stehen zu bleiben, das Bergpanorama länger als ein paar Sekunden zu genießen und ein Foto zu schießen.

Mirador al Far de Formentor
Mirador al Far de Formentor

Dann gelangten wir an den Aussichtspunkt „Mirador al Far de Formentor“ oberhalb der Cova de la Sirena, an dem einen der Leuchtturm schemenhaft aus der Ferne zu winkt. Bis zu ihm ist es noch ein ganz schönes Stück. Es gibt nur wenige Parkmöglichkeiten und hier war dann auch die Straße ein zweites Mal gesperrt. An dieser Absperrung trauten wir uns mit dem Wagen dann doch nicht vorbei.

Sperrung

Die sah irgendwie aus, als würde sie es Ernst meinen. Außerdem war die komplette letzte Kurve vor der Absperrung einseitig zu geparkt und weit und breit kaum ein Mensch zu sehen. Von hier aus machte man sich also zu Fuß auf den Weg. So wollten wir auch tun, ohne so genau zu wissen, was wir uns da vorgenommen hatten, denn bis zum Turm waren es noch 4,7 Kilometer und die Stunde, die man brauchte, um da hin zu kommen, musste man ja auch wieder zurück spazieren. Aber es war ein so schöner Tag, wir schulterten unsere Kameras und machten uns frohen Mutes auf den Weg. Man konnte ja gefahrlos die asphaltierte Straße entlang wandern, ohne kraxeln zu müssen und wenn man nicht dauernd aufpassen muss, wo man lang läuft, hat man auch endlich ein Auge für die schöne Gegend um einen herum.
Und wie sich das gelohnt hat! Im Spaziertempo entdeckt man plötzlich Motive, die man in einem fahrenden Auto nicht mal ansatzweise bemerkt hätte. Zwischen den zum Teil uralten Pinien, die auf den steilen, felsigen Hängen Wurzeln geschlagen haben, formen viele bereits tote und abgestorbene Äste und Reste knorriger Bäume bizarre Gebilde. Das Licht malt auf den hellen Felsen bunte Bilder und unvermittelt grinsen einen versteinerte „Felskobolde“ freundlich entgegen. Auf den mit Gras bewachsenen Hängen und in den Tälern tummeln sich ungestört wilde Ziegen und hinter jeder Kurve hält der Weg einen weiteren unerwarteten, spektakulären Blick auf das Meer und die Buchten bereit. Der Weg ist kaum anstrengend und nach zwei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen hat dieser etwas längere Spaziergang so richtig gut getan.

So ganz unbedarft und sorglos durfte man sich allerdings auf der Straße dann doch nicht bewegen. Der ein oder andere Autofahrer ließ sich nämlich nicht von der Absperrung abschrecken und auch den Radfahrern musste man Platz machen, wenn man sie denn frühzeitig bemerkt hatte. Irgendwie haben die Fahrräder von heute alle keine Klingel…
Nach einem guten Stündchen hatten wir endlich die letzte Anhöhe erreicht, von der aus uns der berühmte Leuchtturm in voller Pracht zu Füßen lag. Sogar bis nach Menorca konnten wir von dieser Stelle aus sehen und bei klarer Sicht leuchteten uns die weißen Strände der Schwesterinsel entgegen.

Leuchtturm "Faro de Formentor"
Leuchtturm „Faro de Formentor“

Jetzt schlängelt sich die Straße noch ein kurzes Stück bis zum Leuchtturm hinunter. Für die paar Autofahrer, die lieber nicht zu Fuß gehen wollten, war allerdings kurz vor dem Turm an einem Tor der Weg dann auch zu Ende und das letzte Stück Weg bis zum Turm mussten dann auch die fußkranken Römer per pedes bewältigen. Das Restaurant, das der Faro beherbergt, ist in den Wintermonaten geschlossen, genauso wie das letzte Tor und man gelangt mit dem Auto nicht bis ganz hinauf auf den Parkplatz und die Autofahrer sind gezwungen, auf der engen Straße zu wenden, wenn sie wieder zurück wollen. Das sollte allerdings nicht unsere Sorge sein. Wir kletterten auf den Felsen umher und suchten nach der besten Aussicht für das schönste Foto, bis es uns dann doch langsam zu kalt wurde. Die Zeit war unbemerkt schon weit fortgeschritten, es wurde langsam dunkler und die Halbinsel, auf der der Leuchtturm steht, trägt nicht umsonst den Beinamen „Treffpunkt der Winde“. Wir spazierten also wieder zurück und erfreuten uns auf dem Rückweg des Panoramas aus der entgegengesetzten Perspektive.
Wieder zurück im Auto machten wir uns gut gelaunt und kein bisschen erschöpft von dem ungewohnt langen Fußmarsch auf den Rückweg und ergatterten noch einen der wenigen freien Parkplätze am großen Aussichtspunkt. Ein ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende zu, die Sonne ging bereits langsam aber spektakulär unter und tauchte die Umgebung in ein fabelhaftes Licht, dass es noch hurtig mit der guten Kamera einzufangen galt.
Das ist das Schöne hier auf unserer Insel des Lichts: der Himmel und das Meer sehen jeden Tag anders aus.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Creu d’Es Picot

Besucht man den Südosten der Mittelmeerinsel Mallorca, empfiehlt sich ein Besuch des „Puig des Sant Salvador“. Das ist ein 510 Meter hoher Berg nahe der Stadt Felanitx, auf dem es außer der spektakulären Aussicht noch mehrere geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten zu bestaunen gibt. Eines davon ist das „Creu d’Es Picot“. Zu ihm gelangt man über die ca. 5,5 km lange Serpentinenstraße, die sich in engen Kurven den Berg hinauf schlängelt. Man kann sich natürlich auch Zeit nehmen und mehr oder weniger gemütlich den alten Pilgerweg hinauf wandern, der an mehreren Stellen die Straße kreuzt. Etwa 250 Meter vor dem Gipfelplateau, auf dem „Puig des Milá“, erhebt sich in 478 Meter Höhe das 14 Meter hohe Steinkreuz. Auf ihm ist eine Inschrift in Catalan zu lesen: „Cermans aouests bracós sempre oberts per a tothom“, was soviel bedeutet wie: „Den Brüdern die Arme öffnen für jeden“.
Es ist bereits das Dritte Kreuz, das an dieser Stelle errichtet wurde. Dieses steht seit 1957. Das erste Kreuz war noch aus Holz und wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Das Zweite fertigte man aus Metall, hatte eine Höhe von 11 Metern und stand von 1927 bis 1951 an dieser Stelle. Beide Kreuze wurde Opfer der Witterung und wurden irgendwann von Stürmen schwer beschädigt oder hinweg gefegt. Das heutige Steinkreuz erweist sich als wesentlich beständiger als seine Vorgänger und wird wohl noch länger über das Tal wachen. Von der Plattform aus, zu Füßen des Creu d´Es Picot hat man bereits einen wunderbaren Panoramablick über die weite Ebene bis zum Meer. Das Fernrohr, das an dieser Stelle mal stand, mit dessen Hilfe man die Gegend noch etwas genauer betrachten konnte, wurde in der Corona-Zeit leider deinstalliert.

Obwohl man von diesem Aussichtspunkt noch nicht ganz auf dem Gipfel des Puig des Sant Salvador angekommen ist, liegt einem bereits die halbe Insel zu Füßen:
Von Nordwesten bis Nordosten erhebt sich die Serra de Tramuntana, im Norden erspäht man die Städte Felanitx und Pollença und im Nordosten Alcúdia. Im Osten entdeckt man die Calas de Mallorca und im Süden liegen Portocolom und Cala d’Or. Im Südwesten reicht der Blick über das Mittelmeer sogar bis zur Insel Cabrera, die dem Betrachter am Horizont entgegen flimmert. Letztere erkennt man allerdings besser,steigt man ganz hinauf bis zum Gipfelplateau, auf dem einen die schon von weitem ersichtliche Christusstatue und das alte Kloster Santuari de Sant Salvador erwarten.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Kapelle Mare Déu del Bon Pastor

Im Südosten von Mallorca erhebt sich der „Puig des Sant Salvador“. Das ist ein 510 Meter hoher Berg, der sich aus der flachen Ebene erhebt, nahe der Stadt Felanitx, auf dem es außer der spektakulären Aussicht noch die ein oder andere geschichtsträchtige Sehenswürdigkeit zu entdecken gibt. Eine davon ist eine kleine Kapelle, die sich auf dem Weg zum Gipfelplateau in einer der engen Kurven der ca. 5,5 Km langen Serpentinenstraße schmiegt. Fährt man mit dem Wagen da hoch, gibt es kaum Möglichkeiten, ihn direkt bei der Kapelle auf dem schmalen Weg abzustellen. Daher empfiehlt es sich, aus dem Abstecher eine kleine Wanderung zu machen und den Berg auf dem alten Pilgerpfad zu erklimmen, der mehrmals die Asphaltstraße kreuzt. So hat man auch viel mehr Zeit und Muße, all die anderen Eindrücke in sich aufzunehmen und sich auf dem Weg nach oben an der immer spektakulärer werdenden Aussicht satt zu sehen.
Die kleine Kapelle „Mare Déu del Bon Pastor“ im neuromanischen Stil befindet sich etwa auf halber Höhe des Berges und wurde unter Monsignore Mosén Antoni Maria Alcover im Jahre 1910 errichtet. Mit „Bon Pastor“ im Namenszug ist jener Monsignore gemeint, der als eine der herausragendsten Persönlichkeiten der Wiedererlangung der katalanischen Sprache im 20. Jahrhundert gilt.
Diese Kapelle ist der Ersatz für eine weitaus ältere Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, die reichlich mit „Azulejos“ ausgeschmückt gewesen sein soll. Unter Azulejos versteht man ein Bild aus bunt bemalten, meist quadratischen, glasierten, wetterfesten Keramikfliesen, mit denen in Spanien und Portugal gerne öffentliche Gebäude und Monumente künstlerisch herausgeputzt werden. Auf dem alten Kreuzweg, der gegenüber der Kapelle mit einer Stiege beginnt, sind noch 12 Stationen mit solchen Azulejo-Bildern aus dem 16. Jahrhundert zu finden.

Einer alten Legende nach soll einst ein Hirte im Gestrüpp genau an der Stelle, wo später die Kapelle errichtet wurde, ein glänzendes Bildnis der Mutter Gottes gefunden haben, wonach er sogleich von einem Engel dazu beauftragt wurde, selbiges auf den Gipfel des Berges zu tragen, wo heute das ehemalige Kloster Santuari de Sant Salvador steht. Das muss irgendwann im 15. Jahrhundert gewesen sein, denn die Verehrung der Mutter Gottes am Sant Salvador geht nachweislich bis in dieses Jahrhundert zurück. Heute beherbergt die kleine Kapelle, an der man mit dem Auto viel zu schnell vorbei fährt, die in Stein gehauene Szene, wie der Hirte zusammen mit seinem Hund die Statuette der Madonna entdeckt.

 

 

 


Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Wandern auf Mallorca

Die Insel Mallorca bietet eine Vielzahl an ausgewiesenen und markierten Wanderwegen durch die abwechslungsreiche und zum Teil ziemlich hügelige und bergige Landschaft. Von leicht bis anspruchsvoll und manchmal sogar ziemlich schwierig ist für Natur- und Wanderfreunde alles dabei.
Man sollte allerdings beachten, immer genügend Wasser, ein bißchen Proviant und ein Handy dabei zu haben, für den Fall, daß man vom ausgewiesenen Weg abgekommen und versehentlich einem Ziegenpfad mitten ins Gestrüpp gefolgt ist. Die meisten Wege sind mit bunten Farbpunkten markiert, die man alle paar Meter auf den am Wegesrand liegenden Steinen und kleinen Felsen findet. Hat man sich für eine Route entschieden, folgt man entweder den blauen, gelben oder roten Punkten, fast wie bei einer Schnitzeljagd durch die Wälder, Berge und Täler. Bei besonders schwierigen Abschnitten muss man es schon mal den Ziegen gleich tun und unter Zuhilfenahme sämtlicher Extremitäten etwas klettern. Dafür wird man meist mit einer spektakulären Aussicht belohnt, sollte ein besonderer Gipfel das Ziel gewesen sein. Der Großteil der Wege sind allerdings recht angenehm  und leicht zu bewältigen und besonders bei älteren Wanderfreunden und Nordic-Walkern sehr beliebt.

Wandergebiete

Wanderwege

Leuchtturm Capdepera

Wenn man nicht ständig Lust hat, in Cala Ratjada am Strand rum zu liegen, wäre ein Spaziergang zum nahegelegenen Leuchtturm eine gute Alternative. Der Weg dorthin ist ein bißchen steil, dafür aber leicht zu finden. Man folgt einfach der Hauptstraße aus dem Ort heraus immer gerade aus, den Hügel hinauf. Was mich dahin gelockt hat, war, dass ich aus Erzählungen wusste, dass es da viele Katzen geben soll. Um so größer war meine Enttäuschung, dass sich nicht ein Westentaschentiger hat sehen lassen.
Dafür wurde ich mit einer großartigen Aussicht belohnt.

Sogar ein schwacher Regenbogen zeichnete sich am Horizont ab. Wenn das Meer ruhig ist, glänzt es richtig und hat eine ganz tolle Farbe. Wenn es nicht zu diesig ist, kann man sogar bis nach Menorca rüber gucken. Den Leuchtturm selbst kann man leider nicht besichtigen. Aber dafür hat man vor der Mauer eine Tafel aufgestellt mit ein paar Informationen zu Inbetriebnahme und den verschiedenen Leuchtmitteln die seit 1861 (so lange gibt´s den schon) benutzt und immer wieder ausgetauscht wurden. Leider nicht auf Deutsch.

Die breite Mauer, die die Straße von den Klippen abgrenzt, läd ein, sich darauf zu setzten und vielleicht ein kleines Picknick mit Aussicht aufs blaue Meer zu veranstalten, bevor man sich wieder auf den Rückweg macht.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Far de Formentor

Eine beliebte Sehenswürdigkeit und gleichzeitig einer von dreizehn sich in Betrieb befindlichen Leuchttürmen auf der Baleareninsel Mallorca ist der „Far de Formentor“. Er steht auf dem gleichnamigen Cap de Formentor 167 Meter über dem Meeresspiegel. Von seinem Standort aus, ist es möglich an klaren Tagen die bis zu 40 Kilometer entfernte Nachbarinsel Menorca ziemlich deutlich am Horizont zu erkennen.
Um den Leuchtturm errichten zu können, wurde die Kuppe des Felsens, auf dem er steht, planiert und zuerst ein rechteckiges Basishaus erbaut, das von einer umlaufenden Terrasse umsäumt ist, die von mehreren Seiten durch Treppenaufgänge zugänglich gemacht wurde. Der Turm selbst wird nach oben hin etwas schlanker und verfügt über gleich zwei umlaufende Balkone unter der Laterne. Gekrönt wird der Leuchtturm von einer metallenen Kuppel auf der ein Wetterhahn die beste Aussicht für sich beansprucht.
Die Brennebene des Far de Formentor ist die höchste der Balearen. Die Kennung seines Leuchtfeuers ist eine Gruppe von vier weißen Blitzen mit einer Wiederkehr von 20 Sekunden.
Der Beschluss, den Leuchtturm zu bauen erfolgte im Jahre 1860 und wurde von dem spanischen Ingenieur Emili Pou y Bonet in Angriff genommen. Zweihundert Arbeiter benötigten nur 2,5 Jahre, um unter schwierigsten Bedingungen den Turm auf dem damals unwegsamen Kap zu errichten. Die Baustelle wurde von der Seeseite aus mit Baumaterial aus dem Steinbruch von La Puebla von Alcúdia aus beliefert. Vierzig Männer bedienten eine Seilwinde, die das Material auf die 160 Meter hoch gelegene Baustelle hievten. Das war einfacher, als das schwere Baumaterial die 272 in den Fels gehauenen Stufen der Felskluft „Moll de Patronet“ hinauf zu schaffen, mit denen der Leuchtturm von der Seeseite aus erreichbar ist.
Am 30. April 1863 konnte der Leuchtturm erstmals in Betrieb genommen werden. Zu Beginn verwendete man als Brennmittel noch Olivenöl, das später durch Paraffin ersetzt wurde. 1927 bekam der Faro eine neue Linse und einen neuen Rotationsmechanismus und sendete nun vier Blitze aus. 1971 mussten erneut die Linsen und die Laterne erneuert werden.
Heute wird der Leuchtturm mit selbst generiertem Solarstrom und ferngesteuert betrieben. Das Basishaus unter dem Turm beherbergt heute ein Restaurant, das Touristen und Ausflügler in den Sommermonaten zur Einkehr einlädt.

Text: Nadja von der Hocht
Foto: Wolfgang von der Hocht

Kathedrale von Palma

Nähert man sich der spanischen Baleareninsel Mallorca per Fähre vom Wasser her aus, ist sie die Erste, die den Besucher schon von weitem begrüßt: die beinahe achthundert Jahre alte Kathedrale der Heiligen Maria. Sie dominiert die Altstadt der Haupt- und Hafenstadt Palma de Mallorca und ist die Bischofskirche des Bistums Mallorca. Die Einheimischen nennen ihre Kathedrale schlicht „La Seu“, was so viel wie „der Bischofssitz“ bedeutet.
An der Kathedrale wurde jahrhundertelang gebaut. Den Anfang machte der Eroberer König Jaume I., der mit dem Bau der Kathedrale im Jahr 1230 begann. Die Grundsteinlegung erfolgte auf dem Platz einer islamischen Moschee, die zu diesem Zwecke weichen musste. Denn der neue Machthaber auch bekannt als Jakob I. der Eroberer, König von Aragón, König von Valencia, Graf von Barcelona (Katalonien), Graf von Urgel und Herr von Montpellier aus dem Haus Barcelona konnte seiner Anrede nun einen weiteren Titel hinzufügen: König von Mallorca. Schließlich hatte er doch gerade erst die Mauren erfolgreich von der Insel herunter komplimentiert und nun selbst die Herrschaft über das oft und viel umkämpfte Eiland übernommen.
Sein Sohn Jaume II. begann mit dem Bau der eigentlichen Kathedrale von der Hauptbasis her ab dem Jahr 1306, die nun auch als Mausoleum für das mallorquinische Königshaus dienen sollte. König Jaume II. selbst und Jaume III. sind hier begraben. König Jaume I. ist hier nicht zu finden. Seine sterblichen Überreste ruhen in der katalanischen Zisternen-Abtei Monestir de Santa Maria de Poblet in der Provinz Tarragona auf dem spanischen Festland.

Das Kirchenschiff wurde 1587 vollendet, während das Hauptportal endlich 1601 geweiht wurde. 1852 begannen dann die Arbeiten an der Hauptfassade, die schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts beendet wurden.
Das Gebäude ist nun 109,5 Meter lang und 33 Meter breit. Das Hauptschiff hat eine Länge von 75,5 Metern, ist 19,5 Meter breit und 44 Meter hoch. Die beiden Seitenschiffe messen eine Länge von jeweils 86 Metern, eine Breite von 10 Metern und sind 30 Meter hoch.
Das Gewölbe ruht auf vierzehn 30 Meter hohen Pfeilern.
Der Altarraum mit dem Chor wird hier auch gerne „Königskapelle“ genannt und misst 34 x 16 Meter. Obwohl die Kathedrale nicht mit „richtigen“ Türmen dienen kann, wie man sie sonst von Kirchen gewohnt ist, gehört das Gebäude dennoch zu den wichtigsten Bauwerken, die im gotischen Stil errichtet wurden.
Im Erdgeschoß des Glockenturms und in zwei Kapitelsälen ist seit 1932 das Museum der Kathedrale untergebracht. Hier findet man auch das Grab des Gegenpapstes Clemens VIII., der auch ab 1429 als Bischof von Palma amtierte.
Das Geläut mit seinen neun Glocken aus fünf Jahrhunderten nimmt unter den europäischen Bischofskirchen eine herausragende Stellung ein. Vier der Glocken stammen noch aus dem Jahr 1312! Zwei weitere mussten 1642 und 1991 neu gegossen werden. Die große Glocke mit 2 Metern im Durchmesser ist ca. 4.600 Kilo schwer und trägt den Namen „N´Aloi“. Sie wird nur zu sehr festlichen Anlässen geläutet. N´Aloi gehört zu den größten Glocken des Landes und ist außerdem die größte beweglich geläutete Glocke Spaniens.

Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht

Wandern bei Cala Agulla

In dem hügeligen Waldstück zwischen der Cala Agulla und der Cala Mesquida kann man wunderbar wandern. Vor der Cala Agulla gibt es einen großen Parkplatz, der außerhalb der Saison sogar kostenfrei ist. Von da aus kann man mit der Erkundung der Gegend beginnen.
Von den Pinien rings umher singen die Vögel ihre Lieder, man hört Glöckchengebimmel von der nahen Schafweide und ab und zu kreuzen wilde Ziegen den Weg.
Die Wege werden nicht nur von Wanderern, sondern auch von Reitern, Radfahrern, Nordicwalkern und im Herbst von Pilzesammlern benutzt. Die Wege sind mit farbigen Punkten markiert. Wir sind zur Abwechslung mal rechts abgebogen und einigen leuchtend roten Punkten hinterher geklettert. Der Weg ist ziemlich steil und hat es in sich. Er führt über einen bewaldeten Hügel und während der schweißtreibenden Kletterpartie gibt es nur wenige Punkte von denen man zwischen den Bäumen mal aufs Meer oder ins Inland spähen könnte. Aber nur nicht aufgeben. Irgendwann hat man den Berg bezwungen und dann wird man für die sportliche Betätigung doppelt und dreifach belohnt. Folgt man der roten Markierung bis zum Ende gelangt man über einen Hügelkamm bis zu einem alten Feuerturm, von dem leider nur noch die Hälfte steht. Von da aus hat man einen grandiosen Blick auf die Cala Agulla und entdeckt auch gleich, warum Cala Ratjada nach einem Krokodil benannt ist. An dieser Stelle kann man die Echse mit ein bisschen Phantasie gut erkennen, wie sie versucht ins Meer zu krabbeln. Und damit nicht genug: Man hat einen wunderbar weiten Blick ins Tal und weiter auf die Cala Mesquida, zu der man von da oben hinunterklettern kann, wenn man sich traut.

Der Blick von dieser Stelle aus ist unbeschreiblich. Die Farben von Meer und Himmel ändern sich minütlich und keine Kamera kann auch nur annähernd wiedergeben, was einem die Natur da bietet. Es wird einem die komplette Palette von blau über lila bis hin zu rosa gefärbtem Himmel und märchenhaft schimmerndem, silbrig glänzendem Meer geboten. Wenn da oben nicht so streng der Wind pfeifen würde, könnte man sich stundenlang nicht von diesem Ausblick losreißen. Ich kann allen Naturfreunden die steile Kletterpartie nur wärmstens ans Herz legen. Auch gerne mehrmals. Denn zu jeder Jahreszeit wird einem Licht- und Farbentechnisch wieder etwas anderes geboten. Mutter Natur ist eine großartige Künstlerin und wenn man ihre Werke in Bildern festhalten will, muß man sich ranhalten. Denn ihre Kunst ist vergänglich.

Text: Nadja von der Hocht